Heilung mit Phagen? Bakterienkiller aus der Natur

Indikatorkulturplatte zum Nachweis von resistenten Bakterien

Heilung mit Phagen? Bakterienkiller aus der Natur

Lange Zeit galten Antibiotika als Wunderwaffe gegen alle möglichen Keime. Doch immer mehr Bakterien passen sich an, mutieren, werden multiresistent. Bekommt die alte Phagentherapie dadurch eine neue Chance?

Phagen wurden schon vor 100 Jahren in Frankreich entdeckt und gegen Typhus, Pest und Cholera eingesetzt. Die Viren fressen Bakterien, sind ihre natürlichen Feinde. Man findet sie in stehenden Gewässern oder Kläranlagen. Bis 1940 wurde die Phagentherapie auch in Deutschland angewandt, dann geriet sie mit dem Aufkommen von Antibiotika in Vergessenheit. Da sie heute in der EU nicht zugelassen ist, boomt derzeit der Medizintourismus nach Georgien.

Auch Shannon ist mit ihrer Mutter nach Tiflis gefahren. Die 18jährige ist an Mukoviszidose erkrankt, einer chronischen Verschleimung der Atemwege, die sie besonders anfällig für Keime macht. Seit einem Kuraufenthalt vor acht Jahren machen ihr resistente Bakterien namens Achromobacter in der Lunge zu schaffen. Sie kommt kaum noch die Treppen hoch.

Im DSMZ in Braunschweig, einem Leibniz-Institut mit einer der größten Sammlungen von Mikroorganismen weltweit, hat ein Forscherteam genau den Phagen entdeckt, der Shannon helfen könnten, darf ihn aber nicht zu Therapiezwecken einsetzen. Der Phagen wird nach Georgien in die Klinik geschickt, die Shannon behandeln will. Werden die Bakterienkiller aus der Natur helfen?

Autorin: Renate Werner

Redaktion: Regina Tanne

Phagen - Bakterienkiller aus der Natur

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 04.10.2016 | 19:00 Min.

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