Marrakesch: die blühende Wüstenstadt

Marrakesch: die blühende Wüstenstadt

Gärten haben in der arabischen Kultur eine lange Tradition. In Marrakesch sind die Sommer heiß und trocken – und doch ist die Geschichte der Wüstenstadt eng mit der ihrer vielen grünen Oasen verknüpft. Sogar Rosen gedeihen hier prächtig.

Blaues kubistisches Haus zwischen Kakteen und Palmen

In diesem Garten ist jeder Durchblick wie ein gemaltes Bild. Zwischen meterhohen Kakteen und himmelwärts strebenden Palmen blitzt ein blaues kubistisches Haus hervor – das einstige Atelier des französischen Malers Jacques Majorelle. Er schuf dieses botanische Gesamtkunstwerk in der Neustadt von Marrakesch.

In diesem Garten ist jeder Durchblick wie ein gemaltes Bild. Zwischen meterhohen Kakteen und himmelwärts strebenden Palmen blitzt ein blaues kubistisches Haus hervor – das einstige Atelier des französischen Malers Jacques Majorelle. Er schuf dieses botanische Gesamtkunstwerk in der Neustadt von Marrakesch.

"Dieser Garten ist im Gegensatz zu anderen hier ein botanischer Garten, kein Ziergarten. Rosen, Geranien und Rasen gibt es hier nicht", sagt der Chefgärtner des Jardin Majorelle, Youssef Jellab. Denn vor allem Rasen braucht viel Wasser.

Wasser ist Teil der islamischen Gartentradition. Doch Jellab achtet streng darauf, die kostbare Ressource nicht zu verschwenden, denn Regen fällt in Marrakesch nur an zehn Tagen im Jahr. Ihre prächtigen Gärten verdankt die Wüstenstadt einzig der Lage in einer Senke am Fuß des wasserreichen Atlasgebirges.

Bougainvilleen werfen ihr üppiges Pink über einen Säulengang. Marrakschi und Touristen genießen die Ruhe inmitten der quirligen Stadt. Anstelle von Mopeds, Kutschen und Eselskarren geben hier Vögel und Frösche den Ton an.

1962 starb Jacques Majorelle. Der Garten zerfiel. Der Pariser Modeschöpfer Yves Saint Laurent rettete ihn vor dem Abriss und übergab ihn wieder der Öffentlichkeit.

Sechs Kilometer weiter östlich liegt eine weitere grüne Oase. Den Garten des Musée de la Palmeraie hat Abdèrrazak Benchaâbane im andalusischen Stil gestaltet. Im Seerosenteich sonnen sich die Frösche. Anders als im Majorelle-Garten verströmen hier Orangenblüten, Rosen und Lavendel ihre üppigen Düfte.

Zehn Jahre lang war Benchaâbane botanischer Direktor im Majorelle-Garten. Als gefragter Ethnobotaniker reist er zu Kongressen in der ganzen Welt, gibt Gartenmagazine heraus, schreibt Bücher und kreiert Parfums.

35 Kilometer von Marrakesch entfernt schlängelt sich das fruchtbare Ourika-Tal in Richtung Atlasgebirge. Mittendrin liegt das Schülerinnenwohnheim Dar Taliba. Der Biologe Mohamed Elhaouzi initiiert in der Region Schulgartenprojekte. Hier entsteht gerade ein Permakultur-Garten.

Der Garten als Kraftquelle: Das ist auch einer der Gründe, warum der österreichische Multikünstler André Heller seinen persönlichen Gartentraum ebenfalls hier im Ourika-Tal verwirklicht hat. 2016 öffnete er seine Pforten: ANIMA Le retour du Paradis, die Rückkehr des Paradieses, steht auf dem Eingangsschild.

Auf dem ausgemergelten Boden einer ehemaligen Rosenfarm schuf Heller eine fantasievolle Mischung aus Garten und Kunst: Da stapft ein aufrechter Esel im funkelnden Mosaikanzug unter Palmen, … 

… ein gigantischer Frauenkopf spuckt Wassernebel aus. Bunt gestreifte Riesenkegel erinnern an die aufgetürmten Gewürze in den Souks.

André Heller inszeniert Gartenräume, die die Sinne wecken, überraschen, inspirieren, trösten, heilen. Rosengarten, islamischer Garten, Wüstengarten: "Ich will eine Durchmischung von allem mit allem. Ich denke mir, Paradies ist ein Miteinander und Durcheinander."

Auf einer Wiese sinniert Auguste Rodins berühmte Skulptur "Der Denker". "Und genau dahinter hab ich mit meinen Leuten ein Schiff gebaut, das heißt Espoir, Hoffnung. Das bringt uns die Angebote der Kraft, der Bizarrerien, aber auch des unglaublich Lebensfähigen, was Afrika hat", erzählt André Heller.  

Bild und Text: Conny Frühauf

Stand: 23.08.2017, 15:20 Uhr