Kraan und Tab Two

Kraan

Kraan und Tab Two

"Wir heißen KRAAN. Wir fangen jetzt an." So pflegten sie ihre Konzerte zu eröffnen. Hellmut Hattler, der Bassist der Gruppe, war von Anfang an der wahre Macher. Mit Joe Krauss setzte er mit Tab Two den Erfolg fort.

Als 1972 Kraans erstes Album erschien, erlebte der Krautrock in Deutschland eine erste Blüte und Klaus Doldinger galt mit Passport als Erfinder des Jazzrock. Kraan lagen in der Mitte. Bis heute wird die Band unter dem Etikett Jazzrock geführt, aber während Doldinger den Jazz durch Rockbeats erweiterte, gingen Kraan den ungekehrten weg: sie erweiterten Rockmusik in Richtung Jazz. Sie spielten Instrumentalstücken mit derselben Vehemenz wie Rocksongs mit Gesang.

Hellmut Hattler, der Bassist der Band, war von Anfang an der heimliche Bandleader. Der Virtuose am Bass hat sogar Lehrbücher für junge Bassisten geschrieben. Kraan hatten ihre größten Erfolge in den Siebziger Jahren, auch im Ausland machten sie sich einen Namen. Nach mehreren Auflösungen und Reunions war 1990 schließlich erst einmal Schluss.

Helmut Hattler formte zusammen mit Joe Krauss, der in der letzten Kraan-Besetzung Keyboards spielte, ein neues Projekt: Tab Two, mit Joe Krauss an der Trompete. Mit Tab Two gelang Hattler und Kraus eine weitere Fusion verschiedener Musikstile: diesmal Jazz und Hiphop, aufgemischt mit Elementen aus Triphop. "Hip Jazz" hieß bezeichnenderweise ihr 3. Album. Sie waren damals nicht die einzigen, die sich daran versuchten, in Deutschland gab es noch die Jazzkantine, aber sie waren damit so erfolgreich, dass sie der noch jungen deutschen Hiphop-Szene den Weg wiesen. Und zwar in die Charts.

Nach acht Alben machten Kraus und Hattler schließlich Schluss mit Tab Two, Hellmut Hattler gründete eine neue Band, die er schlicht Hattler nannte und sich diesmal durch starke Elektronikelemente auszeichnete. "No Eats Yes" hieß das Album, es wurde 2001 mit dem deutschen Schallplattenpreis "Echo" für die beste Jazz-Produktion des Jahres ausgezeichnet.

Hellmut Hattler ging den Weg in Richtung Elektronik weiter mit dem Projekt Deep-Dive-Corp., mit dem er zwischen 2000 und 2006 insgesamt fünf Alben veröffentlichte. Massentaugliche Musik wie in den Siebzigern mit Kraan und in den Neunzigern mit Tab Two ist das nicht, aber die Alben zeigen, dass Hattler nach wie vor an neuen Klängen interessiert ist, statt sich auf Bewährtem auszuruhen oder auf kommerzielle Erfolge zu schielen. KRAAN hat Hellmut Hattler übrigens Ende der Neunziger wiederbelebt. Seitdem sind schon wieder fünf Kraan-Alben erschienen. Und es überhaupt nicht ausgemacht, dass "Diamonds" aus dem Jahre 2010 das letzte gewesen sein muss.

Autor: Albert Wiedenhöfer


Redaktion: Mark vom Hofe

Kraan und Tab Two

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 12.04.2017 | 19:08 Min.

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