"Wir sind keine Hau-Drauf-Truppe"

Gracia-Patricia Walters

"Wir sind keine Hau-Drauf-Truppe"

Stiernackige Muskelpakete sind out. Inzwischen sind weibliche Bodyguards in Deutschland gefragter denn je. Welche Vorteile Frauen gegenüber Männern in diesem Job haben, erzählt Personenschützerin Gracia-Patricia Walters in der Redezeit.

Es gibt immer mehr Frauen, die in der Sicherheitsbranche ihren Mann stehen. Gracia-Patrica Walters ist seit 20 Jahren in dem Metier tätig. In der Redezeit erklärt sie, worin Frauen in diesem Beruf Männern überlegen sind. "Ich glaube, wir Frauen haben die große Gabe, dass wir uns etwas besser unsichtbar machen können. Wir können uns viel schneller dezent und diskret in eine Situation einfügen, weil wir nicht gleich den Stempel auf der Stirn haben, da ist jemand, der Schutz bietet." Frauen würden eher unterschätzt, da viele in ihnen häufig eher die Sekretärin oder ein Familienmitglied sehen würden, keinen Bodyguard.

Immer mehr Ladyguards im Einsatz

Seit 2007 ist Gracia-Patrica Walters, die ursprünglich Polizistin werden wollte, Chefin einer eigenen Sicherheitsfirma. Heute beschäftigt sie gut drei Dutzend Personenschützer, die Frauenquote liegt bei 50 Prozent. Auch wenn dieser hohe Anteil vielleicht noch ein Einzelfall ist, sind laut Bundesagentur für Arbeit immer mehr Ladyguards - wie sie sich selber nennen - im Einsatz. Das Bundeskriminalamt setzt im Personenschutz seit längerem schon auf Frauen. Wo früher Abschreckung und sichtbare Präsenz gefragt waren, wird heute eher auf Deeskalation gesetzt.

Weibliche Intuition hilft im Job

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird von einer Personenschützerin begleitet

Angela Merkel in Begleitung einer Personenschützerin

"Mal sind wir ganz unauffällig im schwarzen Abendkleid", sagt sie. "Wir können, wenn wir wollen, auch ganz schön böse aussehen und dann kann man uns auch sofort wahrnehmen als Person, die sagt: bis hierhin und nicht weiter." Gracia-Patricia Walters glaubt nicht, dass Frauen die besseren Personenschützer seien. Aber der Ladyguard könne mit weiblicher Intuition und einer zurückhaltenden Art in einer deeskalierenden Weise viel schneller handeln.

Vom roten Teppich bis zur Einkaufstour

"Es ist nicht immer Kung-Fu, Rolle vorwärts, wir hauen jemanden um, sondern vielmehr, Freiraum zu schaffen für die Familie, die wir schützen." Ihr Team stellt auch Sicherheits-Nannys und Security Driver, die sich beispielsweise um die Familienmitglieder von Wirtschaftsgrößen oder leitenden Angestellten kümmern. "An einem Tag begleiten wir Robbie Williams oder den Bundespräsidenten, drei Tage später plant man die Fahrt der Frau des Wirtschaftsführenden zum Einkaufen in München und danach fährt man die Tochter zu einer Privatparty und sorgt dafür, dass sie auch wieder heil nach Hause kommt."

"Wir wünschen uns alle, dass die Waffe im Holster bleibt"

Als Personenschützer brauche man starke Nerven und müsse geduldig sein. "Die Arbeit eines Personenschützers ist aufregend, turbulent und unendlich emotional, jedes Mal", sagt Walters. Auch eine Waffe zu tragen, sei eine hohe Belastung und eine hohe Verantwortung. "Wir wünschen uns alle, dass das Ding im Holster bleibt und wir dieses Werkzeug nie nutzen müssen." Dennoch ist die Waffe keine Dekoration. "Jeder Mensch, der sich dazu entscheidet, andere Menschen zu beschützen, muss sich bewusst sein, dass es immer dazu führen kann, dass man selber ein Leben beendet oder selber sein Leben dafür geben muss."

Überfall vereitelt

Bislang habe es drei heikle Situationen gegeben, von denen eine dazu geführt habe, dass sie ihre Waffe schon im Holster gelöst habe, erinnert sich Walters. In Kolonne ist sie mit einer Person, die wertvolle Edelsteine mit sich führte, eine Straße entlang gefahren, auf der sich plötzlich ein Müllwagen querstellte und den Verkehr zum Stocken brachte. Von hinten rasten zwei SUVs an. Doch anstatt auszusteigen und die Konfrontation zu suchen, gab sie das Kommando, umzudrehen und über eine Seitenstraße zu flüchten. Zum Einsatz ist die Waffe schließlich nicht gekommen. "Glücklicherweise", betont sie.

"Wir sind keine Hau-Drauf-Truppe"

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit | 17.02.2017 | 25:51 Min.

Download