Gefahrenzone öffentlicher Dienst

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Gefahrenzone öffentlicher Dienst

Schüler greifen Lehrer an, Rettungssanitäter werden angepöbelt und Beschäftigte in Jobcentern verprügelt. Wer im öffentlichen Dienst arbeitet, lebt gefährlich. Warum werden ausgerechnet die, die anderen helfen wollen, bedroht?

Im Frühjahr des letzten Jahres startete die deutsche Beamtenbund-Jugend NRW die Kampagne "Gefahrenzone öffentlicher Dienst". Seither können Betroffene ihre Erfahrungen online melden und zwar auf der Online-Meldeplattform "angegriffen.info." Dafür wurden sie mit dem Politikaward von der Fachzeitschrift für politische Kommunikation in der Kategorie "Kampagne für kleines Budget" ausgezeichnet. Seither sind 500 Meldungen online. Die meisten Meldungen auf der Plattform stammen jedoch nicht von Betroffenen, sondern aus den Medien.

Seit 2011 erscheinen Gewalttaten gegen Rettungskräfte in der Kriminalstatistik. Im Jahr 2011 wurden 204 Opfer von Gewaltkriminalität darin gezählt, 2015 waren es 289, also 85 mehr. Parallel dazu wächst aber der Anteil der Menschen, die psychisch krank sind, Drogen nehmen und deshalb enthemmt sind. Mit dieser Klientel müssen sich immer häufiger die Rettungssanitäter herumschlagen - weshalb sie häufiger Opfer solcher Übergriffe werden.

Ende November hat der Gewaltforscher Andreas Zick die neuesten Ergebnisse seiner Langzeitstudie vorgestellt, die in zweijährigen Abständen seit 2002 gesellschaftliche Normen und Werte in Deutschland abfragt. Laut dieser Studie billigen 11 Prozent der Bevölkerung Gewalt. 14 Prozent wären auch selbst zu Gewalt bereit. Diese Einstellungen haben sich im Laufe der letzten zehn Jahre kaum verändert, sondern - wie es Andreas Zick bewertet - sie haben sich stabilisiert. Doch auch er ist beunruhigt. Denn immer mehr Menschen hätten schlichtweg Wut auf den Staat. Wut darauf, dass sie nicht das bekommen, was ihnen vermeintlich zusteht. Befeuert werde das Gefühl vor allem auch durch den Dienstleistungsansatz in den Amtsstuben. Mit überhöhten Ansprüchen von Eltern müssen sich auch Lehrer auseinandersetzen, weshalb auch sie es immer öfter mit physischer und verbaler Gewalt zu tun haben.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft will nun über den Bundesrat erreichen, dass alle Staatsdiener - also auch die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst - geschützt werden, egal ob es sich um Übergriffe oder Beleidigungen geht. Ob das das Problem löst?

Autorin: Katja Artsiomenka

Redaktion: Vera Dreckmann

Gefahrenzone öffentlicher Dienst

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 23.01.2017 | 23:22 Min.

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Stand: 20.01.2017, 12:10