In Fotografie den Menschen zeigen

Elfie Semotan

In Fotografie den Menschen zeigen

Elfie Semotan sagt von sich selbst: "Ich weiß, dass ich gut fotografieren kann, doch um wirklich Herausragendes zustande zu bringen, muss ich von Mal zu Mal neu kämpfen." Das Ergebnis: faszinierende Bilder, die mehr sind als reine Modefotografie.

Elfie Semotan, 1941 in Oberösterreich geboren, gehört zu den großen Fotografinnen unserer Zeit. Sie begann in den frühen 60er Jahren als Model in Paris, fotografierte selbst zunächst nur nebenher, ab den 70er Jahren dann professionell. Sie arbeitete im Laufe ihrer Karriere für fast alle großen internationalen Mode-Magazine wie Vogue, Elle und Marie Claire und verstand sich dabei nie als Mode- oder Werbefotografin, sondern "als Fotografin von Personen", als Frau, "die mit ihren Bildern Geschichten erzählt".

Ihr eigentliches Zuhause, schreibt Elfie Semotan, sei für sie immer eher die Kunst gewesen, auch wenn sie in der Modewelt das Geld verdiente. Ihre beiden "großen Lieben", waren Künstler: der Österreicher Kurt Kocherscheidt, mit dem sie zwei Kinder hat, und Martin Kippenberger, einer der prominentesten deutschen Künstler der 80er und 90er Jahre. Sie verlor beide auf ähnlich tragische Weise: Kocherscheidt starb relativ jung an einer Herzkrankheit, Kippenberger nach nur zwei Jahren Ehe an Leberkrebs.

Auf dem Buchdeckel ihrer Autobiografie "Eine andere Art von Schönheit" mit beeindruckenden Fotografien steht unter ihrem Künstlernamen "Elfie Semotan", der Name der in ihrem Pass steht: Elfriede Kippenberger-Kocherscheidt.

"Die Person hinter dem Foto sehen"

Elfie Semotan gilt als eine der erfolgreichsten und eigensinnigsten Modefotografinnen der Welt. Die Grenzen von Kunst und Modefotografie auflösen, die Person hinter dem Foto sehen - darum geht es der 75-jährigen Österreicherin in ihren Arbeiten.

Porträt junge Frau, Fotoserie "Flowers" veröffentlicht in "View of Colour", Wien 1996

Elfie Semotan wollte in ihrer Karriere als Modefotografin nicht nur schöne Kleider abbilden. Sie wollte die Persönlichkeit der Menschen einfangen, die diese Kleider trugen. Die Kleidung sei nur das Accessoire, "Gesichter müssen im Vordergrund stehen", betont die Fotografin.

Elfie Semotan wollte in ihrer Karriere als Modefotografin nicht nur schöne Kleider abbilden. Sie wollte die Persönlichkeit der Menschen einfangen, die diese Kleider trugen. Die Kleidung sei nur das Accessoire, "Gesichter müssen im Vordergrund stehen", betont die Fotografin.

Elfie Semotan, 1941 geboren, wuchs in einem oberösterreichischen Dorf auf. Das Landleben bedeutete für sie ein Gefühl von Freiheit. Ihre Mutter verließ die Familie und ging nach Wien, als sie gerade einmal zwei war – für ihre Mutter lag Freiheit woanders. Elfie Semotan war fortan zerrissen zwischen Stadt und Land. Mit 14 Jahren besuchte sie eine Modeschule in Wien, mit Anfang 20 fasste sie als Model in Paris Fuß, fotografierte erst nur nebenbei. Mit Anfang 30 kehrte sie nach Wien zurück – bereits als erfolgreiche Fotografin. Es war der endgültige Beginn ihrer Profitätigkeit.

Sie etablierte sich als internationale Mode- und Porträtfotografin, arbeitete für Magazine wie Vogue, Elle und Marie Claire. Sie lichtete Künstlerinnen wie Elfriede Jelinek oder Maria Abramovic ab, Schauspieler wie Ben Stiller oder Colin Firth. Trotzdem war ihr die Kunst wertvoller als die Modefotografie, sie wollte beides miteinander verbinden. Ihre Werke unterwerfen sich nicht der Mode, die Frau ist nicht unterwürfig – das ist ihr wichtig.

Diese Haltung vertrat auch ihr erster Mann, der österreichische Maler Kurt Kocherscheidt. Sie lernten sich Anfang der 70er Jahre kennen, heirateten schnell, bekamen zwei Söhne. Er war ihre große Liebe. Doch Kurt Kocherscheidt starb 1992 mit nur 49 Jahren an einer Herzkrankheit. Elfie Semotan wollte nach seinem Tod einfach nur weg, verließ Wien und ging nach New York.

Ihre zweite große Liebe lernte sie über ihren langjährigen Freund, den Stardesigner Helmut Lang, kennen: Martin Kippenberger. Er wurde 1953 in Dortmund geboren, war einer der prominentesten Künstler der 80er und 90er Jahre, wurde als tyrannisch, egozentrisch oder "Wahnsinniger" beschrieben. Elfie Semotan hat ihre zweite große Liebe ebenso tragisch verloren wie ihre erste. Kippenberger starb nur zwei Jahre nach ihrer Hochzeit 1997 an Leberkrebs, zwei Monate nach der Diagnose. Er posierte ab und zu als Fotomodel für sie. Hier hatte Elfie Semotan ihn 1996 in Venedig fotografiert.

Elfie Semotan hat sich von der Kunst inspirieren lassen, wollte sie in ihre Fotos einfließen lassen. In ihrer Fotoserie "Prä-Raffaeliten" stellte sie 2002 einige der dramatischen Gemälde dieser Kunstrichtung des 19. Jahrhunderts nach, passend zur Mode unserer Zeit.

Oder sie orientierte sich an Roy Lichtenstein, um das Thema Schmuck in Szene zu setzen.

Mode für ein Magazin in eine "TV-Story" gebettet: Ihre Arbeiten deuten oft Geschichten an, die sich hinter dem Bild oder der Person auf dem Bild verbergen.

Ein speziell weibliches Thema, das die Fotografin beschäftigt, ist die Hysterie. Aufmerksam darauf wurde sie durch eine Ausstellung historischer Fotografien meist junger Frauen. Wie die Mädchen und Frauen "zu Schauobjekten männlich-voyeuristischer Spektakel degradiert wurden", war für sie "skandalös und empörend". Sie griff das Thema in ihren Modefotografien auf, indem sie Szenen oder verzerrte Haltungen der Frauen auf ihren Fotos nachstellte.

Einem Magazin widmete sie 2004 eine eigene Serie zum Thema "Hysterie" – mit einem russischen Model und dem Schauspieler Udo Kier als Arzt.

"Ich hatte immer eine Schwäche für Schönheit, die man nicht auf den ersten Blick sieht." Im vergangenen Jahr ist ihre Autobiografie "Eine andere Art von Schönheit" erschienen.

Sich nicht unterwerfen, selbstbestimmt und unabhängig leben – mit diesem Anspruch hat Elfie Semotan ihren eigenen Lebensweg verfolgt und drückt dieses Gefühl bis heute in ihren Arbeiten aus.

Lesetipp:
Elfie Semotan: Eine andere Art von Schönheit; Brandstätterverlag

Redaktion: Regina Tanne

Den Menschen zeigen - Elfie Semotan

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit | 16.02.2017 | 23:37 Min.

Download