Kamele, die auf Soldaten starren

Kamele, die auf Soldaten starren

"Ich habe noch nie so sehr gelacht wie im Krieg", sagt der Fotojournalist Christoph Bangert, zu Gast in der "Redezeit" bei WDR 5. Sein Fotoband "hello camel" zeigt das Absurde am Kriegsalltag - und wie Menschen versuchen, inmitten des Grauens Normalität zu schaffen.

Der Kopf eines Kamels guckt über eine Lehmmauer in die Gesichter von zwei amerikanischen Soldaten

Ein einheimisches Kamel betrachtet zwei US-amerikanische Soldaten während einer Operation nahe der syrischen Grenze. "Kamele!" – diesen Ausruf hört man oft von ausländischen Soldaten, wenn die Tiere in Sicht kommen. (1. Juni 2005, Al-Baʿādsch, Ninawa, Irak)

Ein einheimisches Kamel betrachtet zwei US-amerikanische Soldaten während einer Operation nahe der syrischen Grenze. "Kamele!" – diesen Ausruf hört man oft von ausländischen Soldaten, wenn die Tiere in Sicht kommen. (1. Juni 2005, Al-Baʿādsch, Ninawa, Irak)

Plastik-Toiletten vor einer Schutzwand auf der Militärbasis Howz-e-Madad in Afghanistan. In vielen militärischen Einrichtungen dominieren provisorische Strukturen, auch wenn sie jahrelang genutzt werden. Dann werden sie oft ganz plötzlich entweder verlassen oder lokalen Instanzen übergeben. (17. Juli 2010, Zhari-Distrikt, Kandahar, Afghanistan)

Ein US-amerikanischer Soldat sucht in einem ausrangierten Wassertank nach Waffen und Bomben-Material, während einer gemeinsamen Operation von irakischen und US-amerikanischen Soldaten. "Sargent! Ich glaube, ich habe etwas gefunden!", ruft er aus dem Tank heraus. (2. April 2005, Tel Sokhayr, Dyala, Irak)

Ein afghanischer Polizist sucht nach den Löchern, die seine Schüsse auf einer Papier-Zielscheibe hinterlassen haben müssten – während eines Trainings, das die kanadische berittene Polizei durchführt. "Die Polizeitrainings werden behindert von der Korruption, Inkompetenz und Ungebildetheit der existierenden afghanischen Polizeikräfte", so Fotograf Christoph Bangert. (8. Mai 2010, Kandahar, Afghanistan)

Deutsche Soldaten aus Stetten am Bodensee während einer Übung auf einem Schießplatz außerhalb Kabuls (2007). Abgeschossene Panzerfahrzeuge aus der Sowjetzeit übersäen das gemeinsame Trainingsgelände von NATO und afghanischer Armee.

Grabmal des unbekannten Soldaten in Bagdad (2009). Entworfen vom italienischen Architekten Marcello D'Olico, gebaut zwischen 1979 und 1982. Das Denkmal soll ein traditionelles Schild darstellen, das einem sterbenden irakischen Kämpfer aus der Hand fällt. "Symbole des Regimes der Baath-Partei sind im Irak allgegenwärtig, trotz der langen Präsenz ausländischer Soldaten", so Fotograf Christoph Bangert.

US-Generalmajor Joseph J. Taluto, Kommandeur der 42. Infanteriedivision, spricht während einer Zeremonie zur Erinnerung an die Anschläge vom 11. September 2001 vor einem von Saddam Husseins Palästen. "Das Regenbogensymbol, für die meisten das Zeichen der Schwulen- und Lesbenbewegung, ist tatsächlich das offizielle Symbol dieser Militäreinheit", erzählt Christoph Bangert bei WDR 5. "Damit werden die Soldaten von anderen ständig aufgezogen." Er habe das Bild gemacht, als er sich langweilte, - wie in etwa 80 Prozent seiner Zeit im Irak. "Krieg ist nur zu einem ganz kleinen Teil Abenteuer, Gefahr, oder besser: Chaos", sagt Bangert. (11. September 2005, Tikrit, Irak)

Eine opulente Hochzeit im Alwiyah Club in Bagdad, geplant von May Nuri, einem professionellen Hochzeitsplaner (2005). "Sogar in schwersten Zeiten, wenn im Zentrum von Bagdad täglich Autobomben hochgingen, gab es immer noch riesige Hochzeiten und andere Festivitäten", so Fotograf Christoph Bangert.

Der befestigte Eingang zum Bagdader Büro der New York Times während eines Sandsturms (2006). Irakische Sicherheitsmänner mit Maschinengewehren besetzen rund um die Uhr die Tore und Wachtürme. Christoph Bangert lebte etwa elf Monate in diesem Gebäude.

"Ich habe noch nie so sehr gelacht wie im Krieg", schreibt der Fotograf Christoph Bangert im Vorwort zu seinem Bildband "hello camel" – und fragt dann: "Wie kann man lachen und mit dem Dolmetscher herumscherzen, nur Stunden, nachdem man mit dem schlimmsten Horror konfrontiert wurde?" Nach einiger Zeit lernt man, so der 38-Jährige, dass es nur zwei Optionen gibt: „Entweder du lachst, oder du stirbst." Christoph Bangert, geboren in Daun in der Eifel, fotografierte zuletzt im Irak und in Afghanistan, unter anderem im Auftrag der New York Times. Bangerts Bildband "War Porn" erregte 2014 großes Aufsehen. Darin versammelte er die Fotos, die westliche Redaktionen wegen ihrer Grausamkeit nicht veröffentlichen wollten.

Stand: 29.06.2016, 16:22 Uhr