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Wer bin ich? Und wer sind die Anderen?

Alfred Groosser

Wer bin ich? Und wer sind die Anderen?

Glaubt man der aktuellen populistischen Vereinfachungslogik, gibt es eine richtige oder falsche Identität. Gegen den kollektiven Fingerzeig auf "die Moslems", "die Flüchtlinge" oder "die Frauen" wendet sich der französische Politikwissenschaftler Alfred Grosser.

"Le Mensch. Die Ethik der Identitäten" heißt sein neues Buch. Darin geht der 92-jährige französische Politikwissenschaftler der Frage nach, was den Menschen und was Menschsein ausmacht. Jedes Individuum hat für ihn eine Vielzahl von Identitäten, die sich aus Familie und Beruf und aus der gesellschaftlichen Zugehörigkeit zu religiösen, politischen oder sozialen Gruppen ergeben.

Wer den anderen und sich selbst als Mensch betrachten kann, braucht keine identifizierenden Zuschreibungen. Das setzt allerdings einen bewussten, reflektierten Umgang mit dem eigenen Ich und dem Anderssein der anderen voraus: "Um meine Autonomie zu behaupten, muss ich Distanz herstellen zu den Verbindlichkeiten und Zugehörigkeiten, die mir durch Erziehung und Umwelt auferlegt wurden. Ich muss sie kritisch hinterfragen, um zu erfahren, ob sie mich freiheitsberaubend gewissermaßen entmündigt haben oder ob ich mich wirklich mit ihnen identifiziere."

Wer bin ich? Und wer sind die Anderen?

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit | 03.03.2017 | 27:52 Min.

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Redaktion: Beate Wolff