Der Mai bringt uns Soul und andere Favoriten

Die Favoriten auf WDR 5

Der Mai bringt uns Soul und andere Favoriten

Von Kathrin Herr

Im Mai dominieren Folk, Country und Blues unsere Favoriten, aber auch alles was dazwischen liegt kommt im Wonnemonat im Zuge unserer Favoriten auf seine Kosten.

Schon seit längerem beobachten wir in unserer Musikredaktion, dass Soul immer mehr zur Trendsache wird. Spannend ist es dabei zu sehen, wie die einzelnen Künstler den Sound mit anderen Genres verknüpfen.

Cocoon – Miracle

Cocoon - Welcome Home

Vor knapp 10 Jahren startete das französische Duo Cocoon mit ihrem unverkennbaren Dream-Pop-Sound. Maßgeblich für den Klang verantwortlich sind Songwriter Mark Daumail und Keyboarderin Morgane Imbeaud. Viele Jahre war es still um die Musiker geworden, familiäre Sorgen machten es schwer, kreativ zu sein. Doch 2016 erschien endlich ihr neustes Werk „Welcome Home“, das Daumail seinem kleinen Sohn gewidmet hat. 13 wunderschöne Titel, die beim Hören durchweg positive Stimmung versprühen.

Gizmo Varillas – World Through My Window & Old Friend

Gizmo Varillas -  Give A Little Love (EP)

Wenn draußen schlechtes Wetter ist, möchte Gizmo Varillas eigentlich noch viel lieber Songs schreiben. Frei nach der südamerikanischen Mentalität bringt der aus Spanien stammende Kosmopolit mit seinen Songs ein bisschen mehr Sonnenschein in die Welt. Daneben hat er übrigens ein Faible für außergewöhnliche Instrumente aller Art, die er versucht möglichst effektiv in seinen Songs unterzubringen. Von der afrikanischen Asalato, einer Art Rassel, über die lateinamerikanische Cabassa bis hin zur einer ukulenenartigen Minigitarre aus Bolivien, die zehn Saiten hat und ursprünglich aus einem Armadillo-Panzer gefertigt wurde, hat er immer alles Mögliche im Gepäck. Und genau das macht Songs wie „World Through My Window“ und „Old Friend" so reichhaltig und interessant zum Zuhören.

Chris Staples – Golden Age

Chris Staples -  Golden Age

In den 90ern war Chris Staples Frontmann von Twothirtyeight, einer Punk Band aus Florida. Heute hat sich seine Musik vollkommen gewandelt: Standen damals verzerrte Gitarren und laute Drums im Vordergrund, konzentriert sich Staples jetzt auf gute Texte und eingängige Melodien. Zwar ist noch immer die Gitarre das wichtigste Instrument, jedoch wird diese stets „unplugged“ gespielt. Sein letztes Album „Golden Age“ erschien im Augst 2016. Für Komposition und Aufnahmen der 12 Titel brauchte der Songwriter nur knapp drei Monate. Trotz dieser kurzen Zeit wirkt die Musik wohl durchdacht und verbreitet eine ganz besondere Stimmung: leichte Melancholie und angenehme Herzenswärme.

Sam Brookes – James

Sam Brookes - Kairos

Folkmusiker Sam Brookes kommt aus England und wird derzeit noch als absoluter Geheimtipp gehandelt. Einen Plattenvertrag hat Brookes noch nicht, bisher publiziert er seine Stücke alle selbst. Bald dürfte sich das aber ändern: Sein Song „James“ wurde zum Beispiel mehr als 5. Mio. Mal geklickt. Im Gegensatz zu unserem Favoriten, geht seine kürzlich erschienene Single „My Girl Drinks Coffee“ in eine ganz andere musikalische Richtung. Von Folk ist keine Spur mehr, dafür treten um so mehr elektronische Elemente in den Vordergrund.

Two Another – Keeping Me Under

Two Another - EP 1

In Sachen Marketing könnte das Duo wirklich etwas nachlegen: Es finden sich so gut wie keine Informationen zu den Musikern: Facebook und Co. sind nicht sonderlich gepflegt und auch in den einschlägigen Musikforen steht nichts Konkretes: Die einen sagen, das Duo komme aus London, die andere, sie seien aus Australien... Das Wichtigste ist ja auch, dass uns ihre Musik zur Verfügung steht und uns erfreut. Drei Stücke haben sie bisher selbst publiziert, von denen unser Favorit „Keeping Me Under“ ein wirklicher Hit ist: Erinnert er stark an Discozeiten der 70er Jahre. Eine astreine Produktion mit stimmiger Instrumentierung und souligem Gesang. Genau das Richtige für den Frühling.

The Meltdown – Better Days

The Meltdown - The Meltdown

Simon Burke hatte sich für die letzten Jahre in den australischen Outback zurückgezogen um Flugschüler auszubilden und eine Familie zu gründen. Inzwischen ist er aber wieder zurück und zwar direkt mit neuer Band und neuem Album, das Anfang April rauskam. Beides heißt The Meltdown und steht für traditionellen Soul, Jazz und Blues Sound, gepaart mit einer ordentlichen Portion Country. Auch beim Titel „Better Days“ wurden die Instrumente und Backings noch ganz oldschool von Menschen eingespielt, eingesungen und analog aufgenommen. Und um den Style perfekt zu machen erschien die Single Mitte Februar auch noch als Special Vinyl Edition. Man braucht ja schließlich auch was für die Haptik.

Donovan Woods – Put On, Cologne

Donovan Woods - Don't Get Too Grand

Donovan Woods stammt eigentlich aus Kanada, pendelt aber ständig zwischen Nashville und Toronto. In der Country-Hauptstadt arbeitet er als Songwriter für andere, was er oftmals sehr genießt. So kann er als Nerd im Hintergrund die Songs schreiben und die "schönen Leute", wie er sie nennt, performen lassen. Bevor er nämlich selbst als Singer/Songwriter eine Bühne betreten hat, fand er sich nicht attraktiv genug für einen Sänger. Diese Komplexe hat er aber glücklicherweise hinter sich gelassen, auch wenn er sich oftmals wünschen würde, seine Songs wären weniger bekannt. All diese Sonderbarkeiten machen ihn genau zu dem liebenswerten Exzentriker, den wir uns für unsere Interpreten auf WDR 5 wünschen….und seine Musik bezaubert natürlich auch.

Jeb Loy Nichols – That's How We're Living

Jeb Loy Nichols - Country Hustle

Oftmals war Jeb Loy Nichols einfach mit einem offenen Ohr zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Hingeführt hat ihn stets sein Interesse zu Musik jedweder Fasson, seien es die Sex Pistols, Bob Marley, oder Hip Hop-Begründer Afrika Bambaataa. All diese Stile saugt er in sich auf, aber was am meisten hängen bleibt sind Reggae, Country und Soul. Letzterer kommt grade bei unserem Song „That's How We're Living“ besonders zur Geltung, da er als Hommage und großes Dankeschön an alle Southern Soul-Musiker gedacht ist. Passend zum 20 jährigen Jubiläums seines Debutalbums erschien der Song auf dem zwölften Studioalbum des musikalischen Urgesteins, diesen März.

John Mayer – Moving On and Getting Over

John Mayer - The Search for Everything

Einige der Songs seines neuen Albums hat der Singer/Songwriter John Mayer im selbst gewählten Exil im US-Bundesstaat Montana und zur Liebeskummerbewältigung geschrieben. Auch im Song „Moving On and Getting Over“ verarbeitet der Künstler einmal mehr die fast vier Jahre zurückliegende Trennung von Sängerin Katy Perry. Zwei Jahre hat es gedauert bis das neue Album erschien, diesen Februar war es dann so weit. In drei von Mayer als „Wellen“ bezeichneten EP’s, die alle zusammen das Album „The Search for Everything“ ergeben, beweist der Künstler einmal mehr sein Talent, Stile wie R’n’B, Soul und Rock zu verbinden.

San2 & His Soul Patrol – Hold on to Me

San2 & His Soul Patrol – Hold On

In Ingolstadt geboren, aufgewachsen in Bayern, fand er den Blues während seines einjährigen Aufenthalts in San Francisco. Hier tauchte San2 in die lokale Musikszene ein und jammte auf unzähligen Bluessessions. Sein abgeschlossenes Grafik-Design-Studium ruhen lassend, konzentriert er sich derzeit voll und ganz auf seine Musikerkarriere: Voller Selbstvertrauen schickte er seine Demo an den Produzenten von Jamie Cullum. Knapp zwei Stunden später erhielt er einen persönlichen Termin. Mittlerweil ist sein zweites Album erschienen: deutscher Soul vom Feinsten!

Dylan LeBlanc – Cautionary Tale

Dylan LeBlanc - Cautionary Tale

Dylan LeBlanc kommt aus den Südstaaten, er lebt in Louisiana. Bereits in seiner Kindheit verbrachte er viel Zeit im Studio - nicht ganz freiwillig: Auch sein Vater ist Musiker und damals musste er ihn bei seinen Studioaufnahmen stets begleiten. So bekam LeBlanc sehr früh eine sehr spezielle Ausbildung. Die Musik von LeBlanc lässt sich als Alternative-Country bezeichnen. Sein letztes Album „Cautionary Tale“ ist ein wirklich gelungenes Werk: Ein Konzeptalbum, das sich lohnt vom Anfang bis zum Ende durchzuhören.