Fathers & Sons - Amerikanische Bluesväter und britische Rocksöhne

The London Muddy Waters Sessions / B.B. King in London / The London Howlin’ Wolf Sessions

Fathers & Sons - Amerikanische Bluesväter und britische Rocksöhne

Von Sebastian von Haugwitz

Anfang der 70er Jahre versuchten amerikanische Blueslabels ihre Verkäufe anzukurbeln und setzten dabei auf Sessions von schwarzen Blueslegenden mit der Crème de la Crème der britischen Rockszene.

Obwohl der amerikanische Blues die Initialzündung für die Rockmusik der sechziger Jahre war, kämpften die Bluesväter und Vorbilder vieler Rockmusiker, Muddy Waters, Howlin‘ Wolf, B.B. King usw. in den späten fünfziger Jahren um Aufmerksamkeit bei ihrem schwindenden Publikum – der auf weiße Jugendliche zugeschnittene Rock‘n‘Roll ließ sie in der Tat alt aussehen.

Also auf zu neuen Ufern. Der neue Absatzmarkt hieß Europa und der Blues entwickelte sich zum Exportschlager. Besonders in England fanden die weitgereisten Musiker ein Publikum vor, das den neuen alten Sound begeistert aufnahm. Junge britische Bands ließen sich vom Blues inspirieren oder spielten ihn gleich selber, darunter Musiker wie John Mayall, Graham Bond und Alexis Korner.

Der Bluesboom Anfang der 60er Jahre in England brachte ein Netzwerk an Musikern hervor, das die Popmusik erneuern sollte – zunächst in England und später auch in den USA. Der „Blues Invasion“ in die eine Richtung folgte die „British Invasion“ in die andere.

B. B. King: „Diese Typen aus England haben für viele Bluesmusiker die Türen geöffnet. Wenn britische Bands sprachen, hörte das weiße Amerika zu.“

Muddy Waters: „Ich musste erst nach Europa gehen, um mir einen richtigen Namen zu machen. Erst als die Rolling Stones und andere englische Bands rüber kamen und von mir erzählten, wachten die Leute in den Vereinigten Staaten endlich auf und merkten, dass es sich lohnt, mich spielen zu hören.“

1970 versuchte das Label Chess einige seiner Künstler aus der Versenkung zu holen, in dem es sie mit britischen Rockstars ins Studio steckte, um damit ein weißes rockaffines Publikum zu erreichen.

Wie es klingt, wenn Howlin‘ Wolf auf Eric Clapton und ein paar Rolling Stones trifft, wie sich Rory Gallagher in Muddy Waters Präsenz in Zurückhaltung übt und was sich Wilie Dixon gedacht hat, als plötzlich Fleetwood Mac im Studio auftauchte, kann man im Musikbonus über die amerikanischen Bluesväter und ihre britischen Rocksöhne erfahren.

Gespielte Titel

  • B. B. King – The Power of the Blues
  • B. B. King – Alexis’ Boogie
  • B. B. King – Ain’t Nobody Home
  • Howlin’ Wolf – Rockin’ Daddy
  • Howlin’ Wolf – Sittin’ on Top of the World
  • Howlin’ Wolf – The Red Rooster
  • Fleetwood Mac – Last Night
  • Fleetwood Mac – Hungry Country Girl
  • Fleetwood Mac – Homework
  • Muddy Waters – Blind Man Blues
  • Muddy Waters – I'm Gonna Move to the Outskirts of Town
  • Muddy Waters – Who's Gonna Be Your Sweet Man When I'm Gone

Alben

Fleetwood Mac – Blues Jam in Chicago
Blue Horizon, 1969

B. B. King – In London
MCA / Beat goes on, 1971

Howlin’ Wolf – The London Howlin’ Wolf Sessions
Chess Records, 1971

Muddy Waters – The London Muddy Waters Sessions
Chess Records, 1972