Ein kleiner Regen hat mich gewaschen - Wolf Biermann: vor 40 Jahren ausgebürgert, vor 80 geboren!

Wolf Biermann bei der Verleihung des Marion-Samuel-Preises

Ein kleiner Regen hat mich gewaschen - Wolf Biermann: vor 40 Jahren ausgebürgert, vor 80 geboren!

Von Elise Schirrmacher

Wolf Biermann polarisiert auch im hohen Alter noch, und in seiner gerade erschienenen Autobiografie kriegen so einige ihr Fett weg. Seine neue CD, „…paar eckige Runden drehn!“, hat er mit den Freejazzern des Zentralquartetts aufgenommen.

Natürlich hätte es die Wende auch ohne ihn gegeben. Und natürlich gebührt ihm nicht auch noch der Literaturnobelpreis. Aber Wolf Biermann hat den Mauerfall beschleunigt, soviel steht fest. Seine letztendlich doch überraschende Ausbürgerung nach dem Köln-Konzert am 16.11.1976 (einen Tag nach seinem vierzigsten Geburtstag) schweißte die systemkritischen Intellektuellen in der DDR noch fester zusammen. Auch die offiziell verbotenen Biermann-Songs wie "Ermutigung" (1966) oder das visionäre, poetische "Noch" (1968) hatten schon vorher ihre subversive Kraft entfaltet:

„Ein kleiner Regen hat mich gewaschen / Am Himmel ziehn leere Brauseflaschen / Fabrikschlote wuchern drüben am Hang / Rauchnasen laufen den Windweg lang / Wälder sind das da, das nasse Blau / Das da sind Halden, das große Grau / Rot blühn paar Fahnen da auf dem Bau / Das Land ist still / Der Krieg genießt seinen Frieden / Still. Das Land ist still. Noch.“

Wolf Biermann polarisiert auch im hohen Alter von achtzig Jahren noch, und in seiner gerade erschienenen Autobiografie "Warte nicht auf bessre Zeiten!" kriegt vor allem Gregor Gysi wegen des über die Wende "geretteten" SED-Parteivermögens sein Fett weg. Ein sanftes, versöhnliches Licht fällt dafür auf Heiner Müller und Christa Wolf. Wir erfahren auch, dass Biermann nicht nur ein guter Musiker ist, sondern auch ein guter Handwerker: Sohn Lukas, einem seiner zehn Kinder aus Hippie- und Nachhippiezeiten, hat er die ersten Rindslederschühchen selbst geschustert, weil dessen stramme Beinchen sonst nirgendwo reinpassten (Lukas wurde später Schuhmachermeister). Und auch eine seiner Gitarren hat Biermann selbst gebaut.

Die Bühne teilt sich das Alphatier Biermann seit einiger Zeit mit seiner fast dreißig Jahre jüngeren Frau Pamela, die, genau wie er, in alter Brechtmanier seine Lieder gekonnt zweistimmig mitsingt, als hätte sie nie etwas anderes getan. Neuerdings tritt das Duett auch gemeinsam mit dem ZentralQuartett auf, legendären, ebenfalls in die Jahre gekommenen Ex-DDR-Freejazzern, die seit jeher mit Biermann Musik gemacht haben, aber immer inoffiziell. Zwölf Arrangements aus diesem Programm sind auf der neuen CD "…paar eckige Runden drehn!" zu hören, die neben Auszügen aus seiner Autobiografie, im Musikbonus vorgestellt wird.

Gespielte Titel

  • Soldat Soldat
  • Schlaf ein, mein Lieb
  • Wann ist denn endlich Frieden
  • Und als wir ans Ufer kamen
  • Das kann doch nicht alles gewesen sein
  • Ermutigung
  • Stillepenn Schlufflied
  • Das Barlach-Lied
  • Was verboten ist, das macht uns grade scharf
  • Wer sich nicht in Gefahr begibt

Autobiografie

Wolf Biermann: "Warte nicht auf bessre Zeiten!", Propyläen Verlag, 500 Seiten, € 28,80 (D), ISBN: 978-3-549-07473-2

Alben

Wolf Biermann - "… paar eckige Runden drehn!"
Liederproduktion Altona, 2016

Wolf Biermann - "Der Friedensclown. Lieder für Menschenkinder"
Liederproduktion Altona, 1996

Wolf Biermann - "Lieder vom preußischen Ikarus"
BMG, 1998