YouTube-Wahlkampf, legitimes Mittel

Zuschauer verfolgen ein Interview mit Bundeskanzelerin Angela Merkel

YouTube-Wahlkampf, legitimes Mittel

Von Patrick Raulf

Zwei Jahre nach ihrem Interview mit dem YouTube-Star LeFloid hat sich die Bundeskanzlerin erneut auf der Plattform interviewen lassen. Dieses Mal live und mit gleich vier Gesprächspartnern. Eine PR-Aktion oder mehr?

Natürlich waren das ungleiche Duelle. Dass Youtuber wie eine junge Beauty-Bloggerin oder ein Technik-Erklärbär die Kanzlerin ernsthaft in die Bredouille hätten bringen können, hat niemand erwartet. Das ist bei einer erfahrenen Politikerin wie Angela Merkel auch schon für gestandene Journalisten ein schwieriges Unterfangen. Aber auf Jüngere zuzugehen und ihnen Politik näher zu bringen, ist doch sinnvoll.

Sicher, am Ende war es das, was sich die CDU im Wahlkampf versprochen hat, die Angela-Merkel-Show. Sie kann ihre Inhalte unwidersprochen platzieren und gibt sich ganz persönlich. Und das vor einer jungen Zielgruppe - live auf Youtube. Das kann man alles kritisieren. Man kann es so sehen, dass sich die vier Youtuber, die von einer Produktionsfirma zu diesem Interview eingeladen wurden, zum Wahlkampf-Spielball der Kanzlerin gemacht haben - und ihre Follower dadurch ebenso.

Aber man kann es auch positiv sehen: Hier kommen Jüngere mal in Kontakt mit Politik - und andersrum. Die Kanzlerin nutzt nur das, was die Werbebranche schon lange entdeckt hat. Die Youtube-Stars. Sie haben einen Kanal auf der Plattform, dem im besten Fall Hunderttausende Nutzer folgen - wöchentlich oder auch täglich. Die Follower haben eine gefühlt enge Beziehung zu den Stars, sie sehen sich als Freunde. Für Jüngere sind die abonnierten Youtube-Videos heute oft die einzigen Medien, die sie aktiv ansteuern und die sie bewusst schauen.

Wenn da ein vertrauter Youtuber mit der Kanzlerin spricht, dann zeigt das diesen Nutzern vielleicht zwei Dinge: Erstens wirkt Politik nicht mehr ganz so fern, wie es bei vielen vielleicht der Fall ist - schließlich spricht hier gerade "ein Freund" mit der Bundeskanzlerin, nicht irgendein Journalist. Und er stellt stellvertretend für seine Fans Fragen. Und zweitens wenn "mein Freund" schon mit der Bundeskanzlerin spricht, dann höre ich höchstwahrscheinlich auch zu - weil es eine andere Relevanz hat.

In einer Zeit, in der alle immer häufiger kritisieren, die Jugend interessiere sich nicht mehr für Politik, sind das doch legitime Mittel, solche Zielgruppen anzusprechen. Auch wenn es Defizite gibt: Ein solcher Kontakt zwischen Politikern und ansonsten Politikuninteressierten, ist mir lieber als gar keiner.

Merkel: YouTube-Wahlkampf

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 17.08.2017 | 02:17 Min.

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Redaktion: Jochen Zierhut

Stand: 16.08.2017, 18:50