Wie gut, dass der Wahlkampf langweilig ist

Angela Merkel reibt sich müde das Auge

Wie gut, dass der Wahlkampf langweilig ist

Von Ulrich Horstmann

Der Wahlkampf ist langweilig? Gott sei Dank, findet Ulrich Horstmann.

Jammern auf hohem Niveau. So könnte man es nennen, was zur Zeit nicht nur viele Journalisten um den Schlaf zu bringen scheint. Der Grund: Tote Hose im Wahlkampf. Zum Gähnen langweilig sei er, uninspiriert, inhaltsleer. Da sage ich doch: Gott sei Dank! Nicht, dass ich etwas gegen politischen Streit hätte, gegen Polemik und verbales Aufeinander eindreschen. Aber wenn ich mich so in der Welt umschaue, vermisse ich es dieses mal auch nicht wirklich.

Ich fühle mich in Deutschland anno 2017 immer mehr wie auf einer Insel der Seligen. Ja, vielen geht es auch hierzulande nicht gut, aber im Vergleich zu den Nöten so vieler Menschen anderswo auf diesem Planeten, geht es uns noch gold. Verfängt die Gerechtigkeitsdebatte, die Martin Schulz so gerne auslösen möchte, deshalb nicht so richtig im Volk? Jedenfalls finden nur ein Viertel der Deutschen, dass es das wichtigste Thema im Wahlkampf sein sollte.

Die meisten Bürger sind Demokraten und wissen, Streit gehört dazu. Aber Streiten um des Streiten willens – nein, das mögen die meisten nicht. Und das hat die Kanzlerin schon lange erkannt, weswegen sich die SPD mordsmäßig darüber ärgert, nicht mit ihr richtig streiten zu können. Alles perle an der Frau ab! Selbst die Homoehe hat sie noch schnell durchgewunken.

Es gab Zeiten, da hat sich das Streiten gelohnt. Zum Beispiel bei der Frage, ob sich Deutschland am Irak-Krieg beteiligen soll und Schröder mit seinem Nein die Wahl gewann. Ja, da ging es um was! Und wenn es in den nächsten Wochen wider Erwarten doch zum großen Wahlkampf-Kracher kommt? Wenn unsere Politiker dann wieder mit kräftiger Polemik über einander herfallen? Dann hieße es bestimmt wieder: Um Gottes Willen, so viel Streit stößt die Wähler nur ab und fördert die Politikverdrossenheit.

Redaktion: Golo Schmidt

Stand: 25.08.2017, 17:50