Auslaufmodell Verbrennungsmotor?

Rückseite eines Autos mit doppelläufigem Auspuff

Auslaufmodell Verbrennungsmotor?

Nach Norwegen will nun auch Frankreich den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren stoppen und auf Elektroautos setzen. Klingt gut, doch der Teufel stecke immer im Detail, meint Arndt Brunnert in seinem Kommentar.

Elektroautos sprinten schneller als Benziner oder Diesel. Und genauso schnell sprinten derzeit Politiker und Autokonzerne. Frankreich will den Verbrennern 2040 den Todesstoß geben, die Regierung Norwegens schon 2025, die Grünen bringen 2030 ins Spiel und Volvo will schon ab 2019 nur noch Strommodelle anbieten. Zumindest zum Teil. Denn auch Volvos Hybride fahren mit Benzin und nur wenn ihre Besitzer den Elektromotor auch fleißig nutzen sind sie schadstoffarm.

Der Teufel steckt im Detail. Auch bei Frankreichs Initiative. Elektroautos sind nur dann ökologisch, wenn sie Strom aus regenerativen Energien tanken. Frankreichs Strom kommt aber zu 75 Prozent aus der Kernenergie. Und es ist kaum sinnvoll Stickoxide einzusparen und dafür die Risiken des Atomstroms auf sich zu nehmen.

Scheiterte eine Bundesregierung nicht gerade grandios mit ihrem Ziel bis 2020 eine Million Stromer auf der Straße zu haben? Statt öffentlichkeitswirksam mit großen Zahlen zu werben, wäre schnelles Handeln im Alltäglichen angebracht gewesen.

Strom tanken zum Beispiel. Deutschland hat derzeit rund 26.000 Ladepunkte, Frankreich nur 14.000. Das ist meilenweit entfernt von einer flächendeckenden Versorgung. Gerade in Städten, wo die Stromer für saubere Luft sorgen sollen, fehlt es an Ladepunkten vor der Haustür.

Noch immer gibt es kein einheitliches, überall gültiges Bezahlsystem. Beim Tanken von Benzin oder Diesel reicht die EC-Karte. Warum eigentlich nicht an jeder der obendrein seltenen Strom-Zapf-Säulen? Dazu zählt auch, dass die Autohersteller rasch mehr und günstigere Modelle anbieten - und schnell liefern. Wer heute in Deutschland ein E-Auto kauft, muss mehrere Monate auf seinen Stromer warten.

Die Zukunft fährt elektrisch. Ja! Aber wann, wer weis das schon. Und wer weis schon, welche Stolpersteine da noch auftauchen, bei der Batterieentwicklung zum Beispiel oder beim Recycling derselben.

Natürlich muss die Belastung mit Feinstaub und Stickoxiden reduziert werden, natürlich muss der Ausstoß des Klimakillers CO2 runter – und zwar schnell. Benziner und Diesel werden noch mindestens 20 Jahre das Gros unserer Autos befeuern. Also müssen auch sie sparsamer und schadstoffärmer werden. Nur welcher Autohersteller wird da investieren, wenn sie als Auslaufmodell gelten?

Der Diesel ist der sparsamste Verbrenner und mit der entsprechenden Abgasreinigung ist er auch sauber. Es gibt Einsatzgebiete, wo er sinnvoll ist – natürlich nicht, um die Kinder im SUV zur Schule zu fahren - aber zum Beispiel, wenn es nötig ist, beruflich lange Strecken zurückzulegen.

Es gibt viele Stellschrauben, um den Verkehr sauberer zu machen - selbst, wenn man nur auf's Auto schaut. Es muss an allen gedreht werden. Da hilft es wenig, wenn pauschal mit Jahreszahlen Ziele gesetzt werden, für die - scheitern sie - in ferner Zukunft eh niemand mehr zur Verantwortung gezogen werden kann.

Auslaufmodell Verbrennungsmotor?

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 07.07.2017 | 03:03 Min.

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Redaktion: Marc Heydenreich

Stand: 06.07.2017, 18:03