Deutschland verpasst Klimaziele

Deutschland verpasst Klimaziele

Das Bundesumweltministerium warnt: Deutschland droht seine Klimaziele bis 2020 deutlich zu verfehlen. Nachsteuerungen seien dringend erforderlich. "Angela Merkels Zeit als Klimakanzlerin ist endgültig vorbei", kommentiert Verena Gonsch.

Blick auf das Braunkohlekraftwerk Niederaußem

Angela Merkel als Klimakanzlerin - diese Zeiten sind endgültig vorbei. Deutschland wird nur mit sehr großen Mühen das selbstgesetzte Klimaziel bis 2020 erreichen. 40 Prozent Minus hatte Angela Merkel auf EU-Ebene versprochen und wollte damit den Ruf als Klimavorreiter sichern.

Doch der bröckelt schon seit dem Pariser Klimagipfel vor zwei Jahren. Denn schon da verhagelten vor allem die zwanzig dreckigen Kohlekraftwerke Deutschland die CO2-Bilanz. Jetzt macht die gute Konjunktur der Regierung einen weiteren Strich durch die Rechnung: Mehr Lkw auf den Straßen bedeutet mehr Diesel-Partikel in der Luft. Hinzu kommt der niedrige Ölpreis, der dazu führt, dass die Deutschen mehr Öl als Gas verfeuern. Trotz der schädlichen Klimabilanz.  

Der Schwarze Peter in dieser Geschichte ist aber mitnichten die frühere Klimakanzlerin Angela Merkel, sondern ihr bisheriger Vize-Kanzler Sigmar Gabriel. Mit aller Macht hat er in den letzten Jahren weiter auf den Kohlekurs gesetzt, mit Rücksicht auf die Kumpel in NRW. Trotz besseren Wissens. Denn Kohle ist erstens extrem umweltschädlich und zweitens auf dem Weltmarkt so preiswert, dass der Abbau in Deutschland sich nicht lohnt und sogar ein Subventionsgeschäft ist. SPD-Umweltministerin Hendricks hatte da ein ums andere Mal das Nachsehen. 

Dass Deutschland trotzdem international noch als Klimavorreiter gilt, liegt mitnichten an unserer Klimabilanz. Deutschland ist führend in regenerativer Technologie und exportiert  diese erfolgreich in die Welt. Vor allem deshalb ist Angela Merkel natürlich daran interessiert, dass die Klimaziele eingehalten werden. Im Wahlkampf ist sie sogar noch einen Schritt weitergegangen: "Wir werden Wege finden, wie wir bis 2020 unser 40-Prozent-Ziel einhalten. Das verspreche ich Ihnen", sagte sie einer Zuschauerin in einer der Wahlarenen. 

Ohne einen Ausstieg aus der Kohle wird das nach Ansicht führender Experten nicht zu machen sein. Und hier kommt die Jamaika-Koalition ins Spiel. Jetzt, wo der Blockierer SPD weg ist, läge in der Koalition mit Grünen und FDP eine einmalige Chance, die Kohle-Dreckschleudern abzuschalten. Für die Grünen wäre dies ein Ziel, für das sie manch andere Kröte schlucken würden. Die FDP lehnt zwar offiziell noch solche Markteingriffe ab, dies scheint aber kein unüberwindbares Hindernis. Und wenn die Grünen gut verhandeln, machen sie noch ein paar Millionen Euro Bundesmittel locker für ein Gebäudesanierungsprogramm, das diesen Namen auch verdient. Denn das beste Klimaprogramm ist immer noch das, bei dem Öl und Kohle gar nicht erst verfeuert werden. Und da ist das Potenzial in Deutschlands zugigen Häusern und Wohnungen noch immens. Im November findet der globale Klimagipfel in Bonn statt, parallel wird über die Jamaika-Koalition verhandelt.. Wenn die Grünen schlau sind, nutzen sie den Verhandlungsdruck, der durch die schlechten Klimazahlen entstanden sind. Es wäre ein historische Chance, die Dreckschleuder Kohle in Deutschland loszuwerden.

Deutschland verpasst Klimaziele

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 12.10.2017 | 02:59 Min.

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Redaktion: Willi Schlichting

Stand: 11.10.2017, 17:32