Trumps Watergate?

James Comey

Trumps Watergate?

Donald Trump begründet die Entlassung des FBI-Chefs James Comey mit dessen Verhalten in der E-Mail-Affäre um Hillary Clinton. Doch das FBI untersucht auch mögliche Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und der russischen Regierung. Tamara Tischendorf kommentiert.

Ein Größenwahnsinniger, ein Rassist, einer, der ständig durch unflätige Bemerkungen aufgefallen ist. Nein, nicht Donald Trump sondern: Richard Nixon ist gemeint mit dieser wenig schmeichelhaften Beschreibung: der 37. Präsident der Vereinigten Staaten. Am 9. August 1974 trat er von seinem Amt zurück. Gerade noch rechtzeitig – denn wenig später wäre er mit einem Amtsenthebungsverfahren wahrscheinlich ohnehin vom Hof gejagt worden.

Vorausgegangen war der berühmte "Watergate-Skandal". Es lohnt sich, ein paar Details dieser Affäre wieder einmal aus den Tiefen des historischen Bewusstseins hervorzuholen. Seit Donald Trump völlig überraschend FBI-Chef James Comey entlassen hat, drängen sich erstaunliche Parallelen auf. Die Causa Comey schimpfen viele nicht umsonst "Russiagate". Und selbst ein langjähriger Trump-Unterstützer sagt mit Blick auf Comeys Entlassung: "Irgendwo lacht sich Richard Nixon eins."

Wie war das noch gleich mit dem Watergate-Skandal?

Mitten im Präsidentschaftswahlkampf 1972 wurden Einbrecher auf frischer Tat ertappt. Sie hatten versucht, Abhöranlagen zu installieren und Dokumente zu fotografieren. Nicht irgendwo, sondern im sogenannten "Watergate"-Gebäudekomplex. Genau dort, wo Richard Nixons Konkurrenz, die Demokratische Partei, damals ihr Hauptquartier aufgeschlagen hatte. Die Spur führte schon früh zum Walkampfteam der Republikaner und ins Weiße Haus.

Nixon tat alles, um den Skandal zu vertuschen. Dann beging er einen folgenreichen Fehler: Er setzte mit allen Mitteln durch, dass der Watergate-Sonderermittler, Archibald Cox, entlassen wurde. Der hatte gefordert, dass Nixon entlarvende Telefonmitschnitte herausgeben sollte. Das musste Nixon später dann trotzdem – und das Ende der Story steht in den Geschichtsbüchern.

Und Trump? Der hat nicht nur irgendeinen Ermittler gefeuert, sondern gleich den Chef der US-Bundespolizei. Zwar entließ er ihn offiziell wegen dessen Umgang mit Hillary Clintons Email-Affäre und anderer Unstimmigkeiten. Fakt ist aber auch, dass Comey vor kurzem öffentlich angekündigt hatte, seine Behörde wolle ermitteln, inwiefern sich Russland in den Präsidentschaftswahlkampf eingemischt habe und ob Trumps Wahlkampfteam sich mit Moskau abgestimmt habe.

Aus den Reihen der demokratischen Abgeordneten ist bereits die Forderung nach einem "furchtlosen und unabhängigen" Sonderermittler laut geworden. Der Watergate-Skandal zeigt: Trumps nixonhafte Personalentscheidung wird mit Sicherheit nicht das letzte Kapitel sein in Sachen Aufklärung. Wie "Russiagate" ausgeht ist offen. Die letzten Worte des Schlusskapitels in Sachen Watergate-Skandal sind dagegen bekannt: Richard Nixon sagte einem britischen Journalisten Jahre nach seinem Rücktritt, Zitat: "Ich habe meine Freunde im Stich gelassen, ich habe das Land im Stich gelassen. Ich habe das amerikanische Volk im Stich gelassen, und ich habe diese Bürde bis ans Ende meiner Tage zu tragen."

Trumps Watergate?

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 11.05.2017 | 03:04 Min.

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Redaktion: Lars Krupp

Stand: 10.05.2017, 16:39