Von wegen "Tierwohl"

Masthähnchen in einem Stall

Von wegen "Tierwohl"

Ein neues Logo soll auf Fleisch und Wurst prangen, wenn die Tiere besser gehalten wurden als sonst üblich: "Tierwohl". Alles nur ein fadenscheiniger Schleier vor der hässlichen Fratze der Massentierhaltung, meint Lioba Werrelmann in ihrem Kommentar.

Das Wort allein klingt wunderbar. "Tierwohl". Da denkt man sofort an Schweine, die sich wohlig im Schlamm suhlen, und an Hühner, die fröhlich gackernd über die Wiese rennen. Nur dass das Tierwohl-Label von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt mit solchen Vorstellungen wenig gemein hat.

Die Haltung von sogenannten Nutztieren ist eine Schande. Alles, was zählt, ist die schnelle Gewinnung von möglichst viel Fleisch, das dann möglichst billig verkauft wird. Das schadet der Umwelt, das schadet den Verbrauchern, die viel zu viel Billig-Fleisch essen und davon dick und krank werden, und das schadet vor allem den Tieren.

Von wegen Tier-Wohl. Das Tier-Leid in deutschen Tierfabriken ist unerträglich. Drangvolle Enge. Sauen, die gerade ihre Ferkel geworfen haben, und eingeklemmt in Gitterboxen in ihrem eigenen Kot liegen, ohne sich auch nur drehen zu können. Qualzüchtungen. Puten, die so große und schwere Brüste und Schenkel haben, dass sie sich kaum auf den Beinen halten können und unter ihrem eigenen Gewicht zusammen brechen. Tierhaltung, die die Grundbedürfnisse der Tiere nicht einmal wahrnimmt. Schweine, die sich gegenseitig die Schwänze abkauen, Hühner, die sich gegenseitig tot hacken. Kranke Tiere, die vor sich hin vegetieren.

Was hilft da ein bisschen mehr Platz und ein bisschen mehr Beschäftigung, wie das sogenannte Tierwohl-Label es offenbar verspricht. Wobei noch nicht einmal bekannt ist, was dieses Label genau versprechen soll. Und wann es überhaupt kommt. Und dann soll es auch noch freiwillig sein. Der einzige, der das Leben der Tiere wirkungsvoll verbessern könnte, nämlich durch strengere Gesetze, ist der Bundeslandwirtschaftsminister. Der hat aber weniger das Wohl der Tiere im Blick und mehr das Wohl derer, denen die Tierfabriken gehören. Und so hängt er mit dem sogenannten Tierwohl-Label einen fadenscheinigen Schleier vor die hässliche Fratze der Massentierhaltung.

Von wegen "Tierwohl"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 20.01.2017 | 02:09 Min.

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Redaktion: Golo Schmidt

Stand: 19.01.2017, 16:33