Neuanfang mit bekannten Köpfen

Andrea Nahles, SPD, spricht zu Medienvertretern

Neuanfang mit bekannten Köpfen

Von Volker Schaffranke

Nach der historischen Wahlschlappe verspricht die SPD einen Generationswechsel - und ruft Andrea Nahles als neue Fraktionsvorsitzende aus. Geht so ein Neuanfang?

"Erneuerungsprozess" oder "Verantwortung" sind seit dem legendären Wahlsonntag Worte, die in Berlin Hochkonjunktur haben. Wer der SPD nach dem Super-Gau überhaupt noch etwas gönnen will, kann wirklich behaupten: Die Sozialdemokraten fangen als erste damit an.

Andrea Nahles ist die neue Frau an der Fraktionsspitze. Die schnelle Einsicht von Martin Schulz, diesen Posten nicht für sich zu reklamieren, hat viele überrascht, doch es ist eine der wenigen klugen Entscheidungen, die der SPD-Parteichef  getroffen hat. Denn die Sozialdemokraten brauchen endlich wieder Menschen an der Spitze, die nicht sofort ins Kanzleramt wollen!

Andrea Nahles ist jung genug, um mehrere Anläufe zu nehmen, sie hat sich als SPD-Generalsekretärin unter Ex-Parteichef Sigmar Gabriel ein dickes Fell zugelegt, um Nackenschläge aus den eigenen Reihen auszuhalten und kann kämpfen. Jeder CDU'ler, der mit ihr bei den Verhandlungen über den Mindestlohn zu tun hatte, kann davon ein Lied singen. Andrea Nahles kleinzukriegen, das dauert. Taffe Frau! Beste Voraussetzungen für eine von heute aus betrachtet schier unlösbare Aufgabe: die Wiederaufrichtung der deutschen Sozialdemokratie. Das geht nur aus der Opposition heraus - diese richtige Entscheidung ist bereits getroffen.

Was fehlt, ist die Beantwortung der Gretchenfrage, um die sich die SPD seit Jahren drückt: "Wie hältst Du es mit den Linken?" Martin Schulz hat es probiert, kurz vor der Saarland-Wahl, zog anschließend den Schwanz ein, auch weil die damalige NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sagte: Niemals!

Auf den harten Oppositionsbänken des Bundestages ist die Linkspartei, wenn CDU/CSU, FDP und Grüne zusammenfinden,  aber der einzige Verbündete, den die SPD hat! Diese beiden müssen zusammenarbeiten! Der Weg ins Kanzleramt, ohne in der Großen Koalition festzusitzen, führt nur über mindestens einen anderen Partner.

Doch um die Frage des Überlebens zu klären, muss sie beantwortet sein und zwar schnell! Denn sollte ein Jamaika-Bündnis zustande kommen, kann jeder der diesen vier Parteien seine Stimme nicht gegeben hat, zu Recht erwarten, dass die SPD übernimmt. Nur mit wem? Um spätestens 2021 als Volkspartei überhaupt den Anschein erwecken zu können, es gehe für die SPD auch ums Kanzleramt, bräuchte sie mindestens ein Plus von 17 Prozentpunkten und eben Koalitionspartner fern von der Union! Das ist die bittere Realität! Eine Andrea Nahles könnte diese Frage beantworten. Martin Schulz hat es verpasst.

Neuanfang mit bekannten Köpfen

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 28.09.2017 | 02:57 Min.

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Redaktion: Ulrike Römer

Stand: 27.09.2017, 17:50