SPD verdrückt sich in Opposition

SPD verdrückt sich in Opposition

Regieren war gestern: Wenige Minuten nach der ersten Hochrechnung verkündete SPD-Chef Martin Schulz den Rückzug seiner Partei aus dem Regierungsbündnis mit der Union. Verantwortungslos findet das unsere Kommentatorin Lioba Werrelmann.

SPD-Vorsitzender Martin Schulz erklärt sich vor der Presse

Die SPD geht also in die Opposition. Die Strategie dahinter ist so durchsichtig wie selbstsüchtig. Es geht der SPD nicht um das Land. Oder um Gerechtigkeit, wie es überall auf den Plakaten stand. Es geht der SPD auch nicht um ihre Klientel - immerhin, jeder fünfte Wähler hat der SPD seine Stimme gegeben.

Es geht der SPD allein um sich selbst. Sie fürchtet, in einer weiteren großen Koalition mit einer Kanzlerin Merkel noch mehr in der Unsichtbarkeit zu verschwinden. Und sie hofft, in der Opposition neues Profil zu gewinnen. Wenn die SPD jetzt auf eine Regierungsbeteiligung verzichtet, dann aus purem Egoismus. Und aus taktischem Kalkül. Womöglich ist die SPD gerade mal wieder dabei, sich grandios zu vertun.

Die Kanzlerin ist nicht mehr die, die sie war. Die massiven Verluste der Union werden größtenteils ihr angelastet, gerade auch von den eigenen Leuten. Angela Merkel ist deutlich geschwächt. Mit dieser Kanzlerin hätte die SPD anders verhandeln können, mit ihr in einer Koalition hätte sie sich stärker profilieren können als bislang. Die SPD hätte für ihre Wähler Verantwortung übernehmen können. Chance vertan.

Die neuen Oppositionsparteien im Bundestag werden wohl die Linke und die AfD sein. Glaubt die SPD ernsthaft, sie könne zwischen diesen beiden viel von sich reden machen? Die SPD zwischen AfD und Linker wird genauso unsichtbar sein wie früher in der Großen Koalition.

Es ist nahezu lächerlich, wenn Martin Schulz, der glückloseste SPD-Kanzlerkandidat aller Zeiten, nun verkündet, es sei eine staatspolitisch verantwortungsvolle Aufgabe, in die Opposition zu gehen. Verantwortungsvoll wäre es, als zweitstärkste gewählte Kraft Gespräche mit der Union zu führen. Wenn das nicht fruchtet, kann man immer noch gehen. Aber am Wahlabend um 18 Uhr sechs zu verkünden, dass man als Regierungspartei nicht mehr zur Verfügung steht, das ist selbstsüchtig und verantwortungslos. Und womöglich auch ziemlich dumm.

SPD verdrückt sich in Opposition

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 26.09.2017 | 02:14 Min.

Download

Redaktion: Stefan Pößl

Stand: 25.09.2017, 16:14