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Polizeikosten bei Fußballspielen: Wer soll zahlen?

Polizei am Weserstadion beim Spiel Werder Bremen - Hamburger SV

Polizeikosten bei Fußballspielen: Wer soll zahlen?

Das Land Bremen will, dass sich die Bundesliga an Polizeikosten bei Risikopartien beteiligt. Völlig zu Recht, meint Holger Gerska in seinem Kommentar, Moritz Cassalette meint dagegen in seinem Kommentar: Für Ruhe und Ordnung zu sorgen, ist Aufgabe des Staates!

Polizeikosten bei Fußballspielen: Fans und Vereine sollen zahlen!
- meint Holger Gerska in seinem Kommentar.

Holger Gerska

Wer kennt sie nicht: Die Szenen, wenn Fußballfans durch Bahnhöfe und Innenstädte ziehen und bei nicht wenigen Passanten zumindest beklemmende Gefühle, bei vielen aber auch Angst auslösen. Ich habe viele solcher Situationen erlebt und kann das gut nachvollziehen. Das jüngste Beispiel, der kriegerische Aufmarsch von Dynamo-Dresden-Ultras in Karlsruhe mit Dutzenden Verletzten, hat sicherlich nicht nur mich entsetzt. Selbstverständlich sind Sonderkontingente der Polizei gefordert, um Bürger, manchmal auch Läden und Geschäfte vor den Gewaltausbrüchen der Hooligans, Ultras und Rowdies zu schützen. Und das kostet Geld. Aber doch bitte nicht das der Steuerzahler, also der Opfer.

Dem Land Bremen geht es ja nicht um die grundsätzliche polizeiliche Sicherung der Bundesligaspiele, sondern um die Mehrkosten bei sogenannten Hochrisikospielen. Also immer dann, wenn Problemfans aufeinandertreffen. Und diese Rechnung sollte meiner Meinung nach der Fußball als Verursacher begleichen. In der kommenden Saison verteilt die Deutsche Fußball Liga weit über eine Milliarde Euro an die 36 Proficlubs. Das Durchschnittsgehalt eines Bundesliga-Profis liegt schon jetzt bei über zwei Millionen Euro im Jahr. Tendenz steigend. Die erste Rechnung für einen Polizei-Einsatz, die jetzt verhandelt wird, beträgt nicht einmal eine halbe Million Euro. Das fällt für die DFL unter Portokasse. Aber viel besser wäre es, wenn die Fußball-Liga diese Rechnung an die Verursacher weiterreicht. Also an die Vereine, die ihre Problemfans nicht im Griff haben. Oder noch besser: Direkt an jene, die nur von der Polizei zu bändigen sind.

Polizeikosten bei Fußballspielen: Fans und Vereine sollen zahlen

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 18.05.2017 | 01:26 Min.

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Polizeikosten bei Fußballspielen: Der Staat soll zahlen!
- hält Moritz Cassalette in seinem Kommentar entgegen.

Moritz Cassalette

Ja, es stimmt, dass die DFL und die Fußballvereine wahnsinnig viel Geld verdienen. Aber sie geben auch sehr viel weiter an den Staat. 1,13 Milliarden Euro – so viel Steuern und Abgaben haben die 36 Erst- und Zweitligisten in der vergangenen Saison laut DFL bezahlt. Und all das, was die Städte mit dem Bundesliga-Fußball sonst noch so verdienen, ist da nicht mit eingerechnet - keine Hotelübernachtungen der Fans, keine vollen Kneipen und Restaurants. Auch dem klammen Bundesland Bremen geht es durch den Fußball finanziell etwas weniger schlecht. Wir sprechen doch darüber, dass sich einige Fußballfans auf dem Weg in die Stadien daneben benehmen - also im öffentlichen Raum. Und wer muss den selbstverständlich absichern? Natürlich die Polizei. Und zwar ohne, dass dafür Geld aus privaten Kassen kommt.

Es ist die Aufgabe des Staats, für Ruhe und Ordnung zu sorgen - und zwar zu jedem Anlass. Wenn Werder ein Heimspiel hat, aber zum Beispiel auch wenn die Kieler ihre Kieler Woche feiern oder wenn Chaoten am ersten Mai im Hamburger Schanzenviertel randalieren. So ärgerlich das auch sein mag: Es darf keinen Unterschied zwischen Volksfesten, Demos und Fußballspielen geben. Und überhaupt: Wer sagt eigentlich, dass es notwendig ist, so viele Polizisten bei einer Bundesligapartie einzusetzen? Manche Fans fühlen sich durch die starke Präsenz der Polizei erst recht provoziert. Wenn der Fußball für die Kosten mit aufkommen soll, sollte er dann nicht auch mitreden dürfen? Die meisten Vereine engagieren sich übrigens schon seit Jahren, um ihre Problemfans in den Griff zu bekommen. Aber manche Krawallmacher sind eben unverbesserlich. Das ist dann auch ein gesellschaftliches Problem. Und für die Kosten müssen wir als Gesellschaft aufkommen. Leider.

Polizeikosten bei Fußballspielen: Der Staat soll zahlen!

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 18.05.2017 | 01:31 Min.

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Redaktion: Gertrud Sterzl

Stand: 17.05.2017, 14:43