Realistisch bleiben - trotz Panda-Diplomatie!

Präsident Xi Jinping, Bundeskanzlerin Merkel und Panda

Realistisch bleiben - trotz Panda-Diplomatie!

Chinas Präsident Xi Jinping hat dem Berliner Zoo in einem Festakt zwei Pandas überreicht. Ein freundliches Symbol, mehr nicht. Denn auch wenn in Zeiten von Donald Trump China als verlockender Partner erscheine, sei Vorsicht geboten, meint Christoph Prössl.

Schätzchen und Träumchen heißen jetzt also die Botschafter der deutsch-chinesischen Freundschaft. So drückte sich Chinas Präsident Xi aus, bevor er die beiden Pandas, die eben diese Namen tragen, in einem Festakt an der Seite von Angela Merkel dem Berliner Zoo übergab. China sucht sich sehr genau aus, wem Pandas geliehen werden, teilte die Bundesregierung vorher mit. Das klang fast schon ein wenig stolz. Wohl gemerkt: Wir reden hier von meistens trägen Panda-Bären. Immerhin: Es sind vorwiegend friedliche Tiere, die sich auch noch zeitgemäß vegetarisch ernähren.

Die Bilder sind schön, das freut vor allem die chinesische Regierung und heißt Panda-Diplomatie. Mehr als ein Zeichen, ein nettes Symbol sind diese Tiere aber nicht.

China war 2016 Deutschlands wichtigster Handelspartner. Auch die Bären gibt es übrigens nicht umsonst. Und wie wichtig China ist, verdeutlicht der Auftrag für Airbus, den Vertreter heute unterzeichnet haben: 140 Flugzeuge liefert der europäische Hersteller in den kommenden Jahren, Gesamtvolumen 20 Milliarden Euro. Die beiden Länder haben vor allem ein wirtschaftliches Interesse aneinander.

Im Vorfeld des G20-Treffens ist China auch in der Handelspolitik ein wichtiger Partner. Präsident Xi steht – ganz generell – für einen offenen Welthandel. Hier haben die beiden Länder ein gemeinsames politisches Interesse, weil beide Nationen davon auch stark profitieren. Die Symbolik ist auch deswegen so deutlich, weil US-Präsident Trump auf Protektionismus setzt.

Ähnlich sieht es beim Klimaschutz aus: Trump will aus den internationalen Vereinbarungen aussteigen, China hat sich dazu bekannt.

China wirkt angesichts dieser Verschiebungen verlässlicher. Doch Vorsicht: Deutlich wird nur, dass China international mächtiger auftritt. Das ist für Deutschland auch eine Chance. Mit China gemeinsam Politik machen, um freien Handel und Klimaschutz durchsetzen zu können. Doch die Differenzen mit China sind immer noch groß. In einer multipolaren Welt bleiben die USA immer noch der wichtigste Partner außerhalb von Europa. Deutschland und die vereinigten Staaten teilen eine lange gemeinsame Geschichte, gemeinsame Werte, gemeinsame Interessen. Unter Trump fällt es manchmal schwer, das zu erkennen.

Aber: China tritt die Menschenrechte mit Füßen und im Detail betreibt China eine durchaus protektionistische Politik. Deutsche Konzerne beklagen immer noch Hindernisse, wenn es um Investitionen geht. Unternehmen, die in China tätig sind, beschweren sich darüber, dass patentierte Technologie einfach kopiert wird. China schützt die eigene Industrie im Sinne eines "China first" mit Subventionen, Beispiel Dumping-Stahl oder Solaranlagen.

Gute Beziehungen zu China sind wichtig. Deutschland verdient im Handel und hat ein Partner zur Durchsetzung wichtiger Ziele. Aber Panda-Bären sollten den realistischen Blick nicht verstellen.

Realistisch bleiben - trotz Panda-Diplomatie!

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 06.07.2017 | 02:58 Min.

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Redaktion: Martha Wilczynski-Bartels

Stand: 05.07.2017, 16:49