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Sebastian Sonntag

NRW braucht einen Kohle-Plan!

NRW braucht einen Kohle-Plan!

Für Umweltschützer ist die Sache klar: NRW muss raus aus der Kohle. Nun hat Ministerpräsident Laschet (CDU) seine Pläne vorgestellt. Die gehen aber nicht weit genug, meint WDR-Landeskorrespondent Stefan Lauscher.

pulheim

Armin Laschet hält sich bei der Frage Kohleausstieg bedeckt. Und unmittelbar vor den mutmaßlich entscheidenden Gesprächen im Berliner Sondierungsmarathon mag man das - ein Stück weit jedenfalls - sogar verstehen. Früher aussteigen aus der Braunkohleverstromung? Wir haben doch ein Enddatum, sagt er, 2045. Was ist mit einem Ausstiegsfahrplan? Nein. Das Wort "Ausstieg" mag er eigentlich gar nicht.

Der Ministerpräsident verweist stattdessen auf die Bedeutung einer verlässlichen Stromversorgung für das Industrieland NRW. Darauf, dass Gebäudemodernisierung und Verkehr gefälligst auch ihre Beiträge zur CO2-Minderung leisten müssten. Und: dass es keine Lösung sein kann, hier die Kraftwerke stillzulegen, um mögliche Versorgungslücken anschließend mit Atomstrom aus Frankreich oder Kohlestrom aus Polen zu füllen.

Das ist alles nicht falsch. Aber eben auch keine Antwort auf die aktuell drängendste Frage der Klimapolitik: Wie halten wir es künftig mit der Kohleverstromung? - Nochmal die Fakten: Die europaweit dreckigsten Kraftwerke stehen in NRW. Deutschland verfehlt seine Klimaschutzziele; die Klimafolgen sind jetzt schon zu besichtigen. Wir haben große Überkapazitäten bei der Stromerzeugung. Und - das ist der völlige Irrsinn: Moderne, saubere Gaskraftwerke stehen reihenweise still, NRW blockiert den weiteren Ausbau der Windkraft, aber die vierzig Jahre alten Braunkohle-Dreckschleudern laufen munter weiter, weil sie längst abgeschrieben und deshalb billig sind. Sind wir eigentlich noch ganz bei Trost?

Die Klimapolitik - so sehe ich das - steht an einem Scheideweg. Wir müssen uns jetzt entscheiden: weiter die Probleme aussitzen; bloß niemandem wehtun; den Landwirten nicht, den Diesel-Fahrern nicht und den Stromkonzernen schon gar nicht? Oder endlich zumindest mal die Weichen stellen für eine neue Klimapolitik mit einem geordneten, sozialverträglichen Kohleausstieg. Auch darum geht es bei den Sondierungen in Berlin, nicht nur darum, irgendwie irgendeine neue Regierung zusammen zu zimmern.

Armin Laschet sitzt als Chefverhandler der CDU in Sachen Energie in Berlin mit am Sondierungstisch. Dass er nicht schon im Vorfeld von Düsseldorf aus alle Karten offen auslegt - geschenkt! Aber in den entscheidenden Runden in Berlin muss mehr kommen als bisher, mindestens ein Ausstiegsfahrplan. Dann entscheidet sich auch, wie ernst es der Ministerpräsident meint mit der Modernisierung des Industrielandes NRW. Das, was bisher von ihm dazu gekommen ist, ist defintiv zuwenig!

NRW braucht einen Kohle-Plan!

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 09.11.2017 | 02:45 Min.

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Redaktion: Lars Krupp

Stand: 08.11.2017, 17:48