Alles neu macht Macron

Alles neu macht Macron

Von Barbara Kostolnik

Die neue französische "Revolution" geht weiter: Nachdem Präsident Emmanuel Macron mit Edouard Philippe den neuen Ministerpräsidenten ernannt hat, krempelt er auch die wichtigsten Regierungsposten kräftig um.

Emmanuel Jean-Michel Frédéric Macron

Revolution. So hat Emmanuel Macron sein Buch genannt, das er noch als Kandidat geschrieben hat. Nun ist er Präsident und setzt diese En-Marche-Revolution umstandslos fort. Und es wirkt!

Die französische Parteienlandschaft, seit Jahrzehnten unveränderter Stillstand, fein austariert zwischen links und rechts - plus seit kurzem extrem-links und extrem-rechts, ist in Aufruhr. Zurecht. Die Graswurzeln von Macrons Bewegung wachsen unaufhaltsam in die Tiefe und brechen auf, was festbetoniert zu sein schien. Erstaunlich dabei ist, wie schnell das geht.  

Präsident Macron hat am ersten Tag seiner Amtszeit einen konservativen Politiker davon überzeugt, als Premier eine En-Marche-Regierung anzuführen. Und siehe da, schon fühlen sich viele weitere Republikaner angezogen, es sind vor allem diejenigen, die schon länger darüber nachgedacht haben, ob es nicht doch besser ist, Politik für Frankreich statt für die eigene Partei oder das eigene Ego zu machen. Macrons "en Marche" mag erst ein Jahr alt sein, sein frischer Wind aber wirbelt mächtig Staub auf.

Natürlich kann man erst nach den Parlamentswahlen vom Juni ernsthaft absehen, ob die Bewegung wirklich Veränderung bewirkt. Viel hängt von den Mehrheitsverhältnissen in der Abgeordnetenkammer ab - und noch sitzt dort kein einziger Marcheur-Kandidat und keine –Kandidatin. Aber der junge Präsident macht Druck - macht das, was er am allerersten Abend angekündigt hat: Er macht sich an die Arbeit. Die Bundeskanzlerin hat als erste die Dynamik erleben dürfen, die der charmante Monsieur Macron, ein Meister der Verführung, erzeugt. Offenkundig war sie entzückt.

Auch bei den anstehenden Parlamentswahlen setzt der Präsident auf das bewährte En-Marche-Rezept: tabula rasa, alles neu: weg mit den alten Eliten, her mit frischen Gesichtern - gerne aus der Zivilgesellschaft. Was im allgemeinen Aufbruch übersehen wird: Die En-Marche-Gesellschaft ist eine besondere Gesellschaft: überdurchschnittlich gebildet oder ausgebildet, oft in leitenden Funktionen tätig, entstammt die Mehrzahl der Kandidaten und Kandidatinnen der France heureuse, optimiste, dem glücklichen, optimistischen Frankreich, dem Frankreich ohne materielle Sorgen.

Diese neue Elite bildet quasi den Gegenpol zum Frankreich der Marine Le Pen. Die noch ihre Wunden leckt, aber schon bald zum Gegenschlag ausholen wird. In der allgemeinen Macron-Manie darf man nicht übersehen, dass siebeneinhalb Millionen Wähler und Wählerinnen im ersten Wahlgang Marine Le Pen ihre Stimme gegeben haben. Diese Wähler sind nicht einfach macronisiert worden - sie sind nach wie vor existent - und sie haben mit Macron nichts am Hut. Der neue Präsident wird sich um diese Klientel kümmern müssen, er hat es ihr sogar versprochen. Auch die extreme Linke will und wird sich von Charme und Auftritt des Präsidenten nicht blenden lassen - erste Proteste gab es schon; wenn Macron die Arbeitsmarkt-Reform per Verordnung durchsetzt, wie er es vorhat, kann er sich auf heftige Gegenwehr einstellen. Aber die Neuordnung des politischen Lebens in Frankreich, Macrons wichtigstes Ziel, erfordert ohnehin einen starken Willen und ein massives Rückgrat. Und welche Revolution ging jemals ohne jeglichen Schaden ab?

Alles neu macht Macron

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 17.05.2017 | 03:10 Min.

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Redaktion: Tamara Tischendorf

Stand: 16.05.2017, 17:27