Zusammenarbeit bei Bildung

Klassenzimmer mit Wasserschaden

Zusammenarbeit bei Bildung

Künftig kann der Bund Geld etwa für Schulbau und -sanierung direkt an klamme Städte geben. Das so genannte "Kooperationsverbot" in Sachen Bildung wird aufgeweicht. Das reicht nicht, sagt Julia Borutta in ihrem Kommentar.

Jetzt darf also der Bund klammen Kommunen Geld zur Verfügung stellen. Darf den Neubau von Schulen bezahlen und andere Schulinfrastruktur finanzieren. Endlich! möchte man ausrufen. Aber der Jubel bleibt mir im Halse stecken. Was hier nach viel Ringen ermöglicht wird, müsste eine läppische Selbstverständlichkeit sein und ist lange nicht genug. Denn unsere viel beschworene Bildungsrepublik ist in Wahrheit ein arg ausgetretener Bildungs-Flickenteppich. Patchwork mit massiven Problemen:

Im dem einen Bundesland G8, im anderen G9; hier 6 Jahre Grundschule für alle, dort Auslese nach nur 4 Jahren; in dem einen Land werden Förderschulen erhalten, woanders radikal aufgelöst; hier werden Lehrer nach Dienstjahren bezahlt, dort nach Lebensalter. Sieht so Bildungsgerechtigkeit aus? Nein, und deshalb müsste man an ganz andere Dinge ran als die jetzt beschlossene Verteilung von Bundesmitteln an finanzschwache Kommunen. Denn die kann in Wahrheit nur der zweite Schritt sein. Der erste müsste darin bestehen, die Bildung endlich zu einer zentralen Aufgabe des Bundes zu machen. Genau Zentralismus! Uhhh, böses Wort.

Aber warum sollte man, ausgerechnet beim Grundrecht auf Bildung, bei den Chancen für Kinder, beim internationalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe die Sache den einzelnen Ländern überlassen? Bislang sieht es in punkto Bildung doch so aus: Die Länder haben die Kompetenz, der Bund hat das Geld. Anders herum wird ein Schuh draus: Der Bund müsste kompetent vorgeben, wie er sich seine Bildungsrepublik vorstellt und dann den Ländern das Geld geben, das sie dazu brauchen. Bildungsstrategie statt Bildungshoheit! Der Bund müsste Inhalte, Kriterien, Ziele formulieren; endlich auch Formen, Wege und Zeitrahmen vorgeben und sich nicht darauf verlassen, dass solch große Projekte wie Inklusion, Integration und individuelle Förderung schon irgendwie von den einzelnen Bundesländern je nach Kassenlage, Koalition und ideologischer Überzeugung umgesetzt werden. So wie es ist, blockiert sich Deutschland auf die Dauer selbst. So wie es ist, verstellt die Konkurrenz mit den anderen Bundesländern den Blick auf den wirklich wichtigen Wettbewerb: Nämlich den Wettlauf mit anderen Nationen um die besten Forschungs- und Lernbedingungen in einer globalisierten Welt. Nur wenn wir den heiligen Bildungsföderalismus aufgeben, kann eine echte Bildungsrepublik entstehen!

Redaktion: Brigitte Simnacher

Stand: 02.06.2017, 16:07