Neue Eiszeit zwischen den USA und Russland

Handshake Wladimir Putin und Donald Trump

Neue Eiszeit zwischen den USA und Russland

Die USA verschärfen ihre Sanktionen, Russland zwingt diplomatisches Personal ins Ausland. Nach den Enthüllungen über russischen Einfluss auf die US-Wahl ist das Verhältnis zwischen den Staaten beschädigt. Moskau-Korrespondent Markus Sambale kommentiert.

Es ist erst ein paar Monate her – da wurde spekuliert über den "großen Deal", den Donald Trump mit Wladimir Putin machen könnte. Mancher in Moskau schöpfte Hoffnung auf einen Neuanfang der russisch-amerikanischen Beziehungen. Für Demokraten im Westen war es dagegen eine Horror-Vorstellung, dass sich zwei machthungrige Alpha-Tiere in Washington und Moskau verbünden könnten – womöglich auf Kosten der Europäer.

Die neuen US-Sanktionen stellen vieles auf den Kopf: Statt des "großen Deals" droht der "große Knall" zwischen den USA und Russland. Aber – bittere Ironie - auch dieser Knall geht auf Kosten der Europäer. Ja, es stimmt: Der russischen Regierung müssen immer wieder Grenzen aufgezeigt werden. Da können Sanktionen ein wirksames Mittel sein, wie sich im Ukraine-Konflikt gezeigt hat. Ein offener Krieg zwischen der Ukraine und Russland wurde verhindert. Zu verdanken war das einer Kombination aus Diplomatie und Strafmaßnahmen - besonnen abgestimmt zwischen EU und den USA.

Die Zeiten sind vorbei: Mit ihrem neuen Sanktionspaket haben die Abgeordneten in Washington jede Besonnenheit über Bord geworfen. Nachvollziehbar ist das Bedürfnis, Russland wegen der mutmaßlichen Wahl-Beeinflussung in die Schranken zu weisen. Und verständlich ist der Wunsch, den unberechenbaren Präsidenten Trump außenpolitisch in Schach zu halten. Aber die neuen US-Sanktionen, wie sie jetzt auf dem Tisch liegen, sind überzogen. Und sie sind riskant: So drastisch auf den Energie-Sektor zu zielen - das ist eine Kampfansage an die ohnehin angeschlagene Wirtschaft in Russland und treibt den Kreml in die Enge. Wladimir Putin wird seinen Kurs deshalb nicht ändern – im Gegenteil: Die nächste Sanktions-Spirale kommt in Gang und wird weltweite Folgen haben – wirtschaftlich und politisch.

Angesichts des äußeren Gegners wird sich die russische Bevölkerung wieder mehr hinter ihrem Präsidenten versammeln, der eigentlich gerade an Strahlkraft verloren hat. Bitter für die Europäer: Die USA verknüpfen ihre neuen Strafen für Russland unverhohlen mit eigenen Wirtschaftsinteressen; sie wollen die Europäer unter Druck setzen, demnächst Gas aus den USA statt aus Russland zu kaufen. Gemeinsam an einem Strang ziehen – das ist vorbei. So ist also nicht nur der große Deal zwischen den USA und Russland geplatzt. Auch das Bündnis zwischen den USA und den Europäern bekommt tiefe Risse.

Neue Eiszeit zwischen den USA und Russland

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 29.07.2017 | 02:37 Min.

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Redaktion: Golo Schmidt

Stand: 28.07.2017, 14:04