Klimaschutz - auch ohne Trump

Donald Trump am Rande der Fahnen der G-20

Klimaschutz - auch ohne Trump

Auf dem Programm des Gipfels stehen Beratungen über Klima und Energie, doch US-Präsident Trump trifft lieber Wladimir Putin. Trump habe den Kampf gegen den Klimawandel nicht einfacher gemacht, meint Detlef Reepen in seinem Kommentar, doch verhindern könne er ihn nicht.

Viel deutlicher hätte der Diplomatie- Rambo aus Washington seine Arroganz nicht zeigen können: "Ich treff mich mit meinem Kumpel Waldimir, macht doch was ihr wollt, ich bin beim Klimaschutzabkommen eh nicht mehr dabei".

Aber wie das narzistischen Menschen öfter mal passiert: Die anderen machen einfach weiter! Und 194 der 195 Staaten, die das Klimaschutzabkommen in Paris verabschiedet und seitdem auch ratifiziert haben, machen einfach weiter. Manche machen sogar viel mehr, als sie vor gut zwei Jahren überhaupt nur versprochen haben. Weil sie erkannt haben, dass das die Zukunft ist - und weil es im Bereich nachhaltiger Energieversorgung verdammt viel Geld zu verdienen gibt. Die großen Investmentfonds sortieren bereits die "alten", die fossilen Energieanlagen wie Kohle- und Ölkraftwerke als "stranded assets", als gestrandete Vermögenswerte aus. Und die Regierung Indiens wollte sich noch kurz vor Paris jedes einzelne Kohlekraftwerk, das sie nicht bauen würde, vom Westen bezahlen lassen. Inzwischen hat das Milliarden-Menschen-Land aus eigenem Antrieb das welt-größte Investitionsprogramm für Erneuerbare Energien gestartet.

Die Welt insgesamt, und allen voran die G20 –Staaten, machen zwar noch lange nicht genug, um die Erderwärmung wie versprochen auf unter zwei Grad zu begrenzen. Beim gegenwärtigen Tempo des globalen Klimaschutzes landen wir bei drei und mehr Grad Erwärmung und unkalkulierbaren Klimarisiken. Da gibt es noch eine ganze Menge zu tun. Aber die Staaten haben sich auf den Weg gemacht – und sie wollen voneinander lernen.

Warum sollte jeder für sich Stromsparen, Energieeffizienz und preiswerte Ökoenergien entwickeln, das Rad immer wieder allein erfinden? Während noch vor wenigen Jahren ein solcher gegenseitiger Lernprozess aus Angst vor Industriespionage unterblieb, entwickeln die Länder jetzt gemeinsame Strategien. Und modernisieren gleichzeitig ihre Industrien und das Handwerk. Davon koppelt Donald Trump, und wen immer er als Spießgesellen finden mag, seine Volkswirtschaft ab. Die chinesische Führung hat das klar erkannt und sich an die Spitze der Klimaschutzambitionen gesetzt. Nicht weil sie aus Solidarität mit der Welt oder zukünftigen Generationen die Tages- und Nachttemperaturen in einem erträglichen Bereich halten will. Sondern weil es hier Billionen zu verdienen gibt.

Donald Trump hat es für die Welt nicht einfacher gemacht, den Klimawandel zu bekämpfen und zu begrenzen. Immerhin sind die USA noch der zweitgrößte Treibhausgasemittent der Erde. Aber verhindern kann er den Klimaschutz nicht mehr. Er kann sich nur noch schmollend und pöbelnd daneben setzen.

Redaktion: Kirsten Pape

Klimaschutz - auch ohne Trump

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 08.07.2017 | 02:53 Min.

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Stand: 07.07.2017, 17:45