Fall Wendt: Für Glaubwürdigkeit katastrophal

Rainer Wendt

Fall Wendt: Für Glaubwürdigkeit katastrophal

Von Bettina Altenkamp

Der Innenausschuss des NRW-Landtags hat sich am Donnerstag (09.03.2017) mit dem Fall Rainer Wendt befasst. Dieser hat vor allem seiner Gewerkschaft ein massives Glaubwürdigkeitsproblem beschert, meint Bettina Altenkamp in ihrem Kommentar.

Rainer Wendt hat seiner Gewerkschaft ein  - freundlich formuliert - massives Glaubwürdigkeitsproblem beschert. Ließ sich als Gewerkschafter quasi von der tarifpolitischen Gegenseite alimentieren. Denn was anderes bedeutet es, wenn er als Gewerkschaftsboss weiter jahrelang sein Teilzeitbeamtengeld erhält, tatsächlich aber nicht dafür arbeitet? Um dann in Tarifverhandlungen für die Belange der Beamten einzutreten.

In der Rückschau geraten damit seine oft lautstarken und immer auch öffentlichkeitswirksamen Äußerungen unter den Verdacht, nicht ganz unabhängig gewesen zu sein. Nach dem Motto: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Und das bereits seit 2006 - also unter der schwarz-gelben Landesregierung. Denn da ging es offenbar los mit seiner Teilzeitbezahlung ohne Teilzeitleistung. So ganz genau weiß man es noch nicht - es gab ja nichts Schriftliches. Da läuft die behördeninterne Untersuchung noch.

Und wie glaubwürdig ist ein Gewerkschaftschef, der öffentlich Law and Order fordert, sich aber bei seinen Nebentätigkeiten, was Beamten-Law-and-Order angeht, vornehm zurückhält. Ein zwingend notwendiger Nebenverdienstantrag? Fehlanzeige! Genauso übrigens auch ein schriftlicher Vermerk darüber, wer denn wann genau seine Freistellung vom Dienst genehmigt haben soll. Offenbar: eine irgendwann irgendwie getroffene mündliche Vereinbarung. Alles zusammen mehr als unschön und: für seine Glaubwürdigkeit als Gewerkschafter katastrophal. Von seinem zunächst doch eher widersprüchlichen und wenig transparentem Umgang mit der Angelegenheit ganz zu schweigen.

Dass die Opposition im Landtag versucht, die Affäre dem aktuellen Innenminister anzulasten - nun ja - das könnte nach hinten losgehen. Denn  - der CDU-Mann Wendt wurde, nach dem, was jetzt bekannt ist - 2006 unter der schwarz-gelben Landesregierung mit Beamtenbezügen vom Dienst freigestellt. Und zum guten Schluss auch noch befördert.

Natürlich muss geklärt werden, wie sich der Fall über Jahre so entwickeln konnte, ohne dass es irgendwem wann auch immer aufgefallen ist. Natürlich muss auch sichergestellt werden, dass sich ähnliches nicht wiederholen kann. Aber zuallererst ist der Fall Wendt ein persönliches und gewerkschaftliches Problem.

Redaktion: Getrud Sterzl

Stand: 09.03.2017, 16:15