Weniger Raserei durch Strafverschärfung?

Unfallauto illegales Autorennen (Archivfoto, Karlsruhe 2015)

Weniger Raserei durch Strafverschärfung?

Der Bundestag hat härtere Strafen für Raser beschlossen. Nun drohen Veranstaltern oder Teilnehmern von illegalen Autorennen bis zu zwei Jahren Haft oder Geldstrafen; mit Todesfolge bis zu zehn Jahren Haft. Richtig so, meint Julia Barth in ihrem Kommentar.

Es ist nicht die Frage, ob das Gesetz gut ist. Die Frage ist vielmehr, warum mussten wir bis jetzt darauf warten? Endlich bekommen Raser das was sie verdienen, wenn sie Menschenleben gefährden, nur um sich selber einen Kick zu verschaffen oder ihren Testosteronstau abzubauen. Illegale Autorennen sind weiß Gott kein Kavaliersdelikt. Und wer mit 160 Stundenkilometern durch eine 50er-Zone rast, der hat mehr verdient als eine Geldbuße und ein paar Monate Fahrverbot. Es muss weh tun.

Und das tut es mit dem verschäften Gesetz. Gefängnis auch dann, wenn niemand zu Schaden kommt. Strafen auch für die, die solche Rennen organisieren und damit zur Raserei anstacheln. Neben dem Führerschein, kann auch das Auto einkassiert werden. Richtig so, denn wenn man den Rasern damit droht, ihnen ihre Freiheit oder ihr Spielzeug wegzunehmen, dann wird das allemal abschreckender wirken, als drei Monate Fahrverbot und ein paar Hundert Euro Geldstrafe, über die die Szene vermutlich nur milde lächelt.

Die Opposition hätte im Gesetz gerne noch konkrete Zahlen drin stehen, wieviel zu schnell strafbar ist. Grüne und Linke finden es nicht präzise genug, dass bestraft wird, wer mit nicht angepasster Geschwindigkeit, grob, verkehrswidrig und rücksichtslos fährt. Diese Kritik teile ich nicht. Denn ich traue der Justiz durchaus zu, unterscheiden zu können, ob jemand zu einem wichtigen Termin gehetzt ist, ein Tempolimit übersehen hat oder ob jemand aus reinem Spaß an der Freude verantwortungslos gerast ist. Und wer mit 120 km/h zum Bäcker Brötchen holen fährt, der kann wohl niemandem glaubhaft erzählen, dass er nur aus mangelnder Aufmerksamkeit so schnell war.

Ein Drittel aller Verkehrstoten in Deutschland stirbt wegen überhöhter Geschwindigkeit. Die Todesopfer, die illegale Autorennen in Köln, Berlin, zuletzt Mönchengladbach gefordert haben, waren allesamt unbeteiligte Menschen, deren einziger Fehler es war, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Es gibt allen Grund, diese Gefahr von der Straße zu holen. Die härteren Strafen, die der Bundestag jetzt beschlossen hat, machen Hoffnung, dass das in Zukunft besser gelingt.

Weniger Raserei durch Strafverschärfung?

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 30.06.2017 | 02:18 Min.

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Redaktion: Golo Schmidt

Stand: 29.06.2017, 16:48