Gegenwind für die "Hygiene-Ampel"

[ARCHIV] - Entwurf für die "Hygiene-Ampel", aufgenommen am 19.05.2011 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen).

Gegenwind für die "Hygiene-Ampel"

Lebensmittelhersteller protestieren gegen die geplante "Hygiene-Ampel". Das Gesetz sei überflüssig, sagen sie. Doch die Lobbyisten verkaufen uns für dumm, meint Wolfgang Otto in seinem Kommentar.

Die Argumente gegen die Hygiene-Ampel füllen mittlerweile Aktenordner. Mitarbeiter von Hotel-, Gaststätten- und Lebensmittelverbänden, Politiker und Rechtsanwälte haben sich die Finger wund geschrieben, um der Hygiene-Ampel den Saft abzudrehen, noch bevor sie angeschaltet wird.

So viel Papier, so viele Pressekonferenzen, so viele Ausschusssitzungen. Dabei ist das, was uns die Metzger, Bäcker, Hoteliers und Gaststättenbetreiber sagen wollen, in einem Satz zusammenzufassen: "Liebe Kunden, Verbraucher, Mitbürger, Ihr seid einfach zu doof für die Hygiene-Ampel!" Auf den Satz laufen alle Argumentationsketten hinaus. Der Satz steht so natürlich in keinem Papier, auch kommt er keinem Lobbyisten so über die Lippen. Aber so ist alles gemeint.

Was wir angeblich nie kapieren werden, ist folgendes: Auf einer Farbskala von rot über gelb bis grün sollen wir künftig schon am Eingang in ein Geschäft ablesen können, welche Risikobewertung der betreffende Laden bei der letzten amtlichen Lebensmittelüberwachung bekommen hat. Rot steht für "Anforderung unzureichend erfüllt", gelb für "Anforderung teilweise erfüllt", grün für "Anforderung erfüllt". Damit ist eigentlich alles klar: Die Einstufung "rot" zeigt nicht an, dass zum Beispiel in einer Metzgerei die Kakerlaken schon auf der Frischetheke tanzen, Mäuse und Ratten heimisch geworden sind und im Hackfleisch Viren, Bakterien und Würmer ihr Unwesen treiben. Nein, denn dann wäre diese Metzgerei nicht "rot", sondern "geschlossen". Rot auf der Hygiene-Ampel zeigt vielmehr an: Vorsicht, in diesem Laden waschen sich die Mitarbeiter nicht regelmäßig die Hände, mit der Reinigung der Räume nimmt man es nicht so genau, die Temperatur der Frischetheke wird nicht wie vorgeschrieben regelmäßig kontrolliert oder die Schädlingsbekämpfung wird nicht im geforderten Maß durchgeführt und nachgewiesen.

Und genau das will ich als Kunde doch wissen: Was tut der Ladenbesitzer, um Gesundheitsgefahren und Ekelereignisse für mich als Kunde zu vermeiden? Genau das sollen wir aber nicht erfahren, wenn es nach Gaststättenverbänden, Metzgerei- und Bäcker-Innungen, Lebensmittelhändlern, Agrar- und Ernährungswirtschaft geht. Weil sie vor unserer Dummheit beschützt werden müssen. Die Hygiene-Ampel sei missverständlich, unfair und überflüssig, heißt es in den Stellungnahmen der Betroffenenverbände. Wenn es nach ihnen ginge, würde wohl erst gewarnt, wenn die ersten Kunden schon im Krankenhaus liegen.

Dem Protest der Verbände gegen die Hygiene-Ampel haben sich im Landtag leider auch die CDU und die FDP angeschlossen. Parteien, die eigentlich dem mündigen Bürger und aufgeklärten Verbraucher das Wort reden. Sie sollten sich nicht dafür hergeben, uns für dumm zu verkaufen.

Redaktion: Patrick Raulf

Gegenwind für die "Hygiene-Ampel"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 09.02.2017 | 02:57 Min.

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Stand: 08.02.2017, 17:26