Herbstgutachten: Nicht blenden lassen!

Vorstellung des Hernstgutachtens 2017

Herbstgutachten: Nicht blenden lassen!

Das Herbstgutachten der Wirtschaftsforscher bescheinigt Deutschland eine rosige wirtschaftliche Lage. Damit das so bleibt, müsse die neue Bundesregierung aber ihre Hausaufgaben machen. Also nicht blenden lassen, meint Jens Wiening in seinem Kommentar.

Bitte nicht blenden lassen vom aktuellen Plus beim Wirtschaftswachstum. Der demographische Wandel steht vor der Tür, er wird unsere Gesellschaft bald vor große Probleme stellen. Die klare Ansage der Wirtschaftsforscher im Herbstgutachten: Das Wachstum wird im kommenden Jahrzehnt deutlich sinken, und die Verteilungskämpfe werden zunehmen. Im Fokus: Die Sozialsysteme. Allen voran: Die gesetzliche Rente.

Herbstgutachten: Nicht blenden lassen!

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 29.09.2017 | 02:27 Min.

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Um die Sozialsysteme zu bewahren, brauchen wir deshalb eine ehrliche Analyse. Ein erstklassiges Bildungssystem sowie eine konsequente Qualifizierung und lebenslange Ausbildung sind unabdingbar und müssen vom ersten Tag an im Fokus der neuen Bundesregierung stehen. Am zweiten Tag brauchen wir endlich ein Zuwanderungsgesetz, das es erlaubt, pass- und bedarfsgerecht Fachkräfte nach Deutschland zu holen. Ihnen muss eine Perspektive geboten werden – und sie müssen mit ihrer Qualifikation dem Land eine Perspektive bieten.
Ja – damit siebt man aus. Ja – damit bleibt die Tür für einige zu.
Aber alles andere hilft mittel- und langfristig niemandem.

Die Bundesvereinigung der Arbeitgeber fordert schon lange gezielte Zuwanderung. Auch die Verfasser des Herbstgutachtens wollen eine arbeitsmarktorientierte Zuwanderungsregelung für EU-Ausländer.
Bereits jetzt hat Deutschland im internationalen Vergleich mit die höchste Abgabenlast. Und sie droht weiter zu steigen. Auch der Anteil der Geringverdiener ist bereits jetzt zu hoch. Viele von Ihnen werden – trotz lebenslanger Arbeit – im Alter mit ihrer gesetzlichen Rente kaum über die Grundsicherung hinaus kommen. Das ist der vielleicht härteste Aufschlag sozialer Ungerechtigkeit, der in den kommenden Jahren droht.

Ob die Kosten für die Sozialsysteme direkt mit der Lohnabrechnung oder durch Umverteilung im Staatshaushalt gedeckt werden, ist egal. Letztlich ist es der gleiche Euro der bei der Digitalisierung, im Bildungssystem oder für den Konsum fehlt. Es sind die guten Sozialstandards, die uns jahrzehntelang inneren und sozialen Frieden geschenkt haben. Wenn die Sozialsysteme zerbröseln, ist der Zusammenhalt gefährdet und die Akzeptanz des gesamten demokratischen Systems steht auf dem Spiel. Die bittere Wahrheit des Herbstgutachtens ist: Ohne zügiges, konsequentes Handeln sind die sozialen Standards nicht zu halten.

Redaktion: Lena Sterz

Stand: 28.09.2017, 17:35