Frauenförderung: Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht

Symbolbild Frauenquote: Vier männliche und eine weibliche Holzspielfigur

Frauenförderung: Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht

Die neue, schwarz-gelbe NRW-Landesregierung schafft die umstrittene Dienstrechtsreform zur Förderung von Frauen im Öffentlichen Dienst ab. Gut so, meint Willi Schlichting in seinem Kommentar.

Ich kann mir gut vorstellen, dass CDU und FDP der Dienstrechtsreform der rot-grünen Landesregierung schon 2016 den KW-Vermerk – kann weg – verpasst haben, als sie selbst noch nicht ahnten, dass sie gemeinsam regieren werden.

Da heißt es, dass Frauen bereits dann im Öffentlichen Dienst den Vorzug vor ihren männlichen Kollegen erhalten sollen, wenn nur eine "im Wesentlichen gleiche Eignung" vorliegt. Da sagt einem der geschlechterunabhängige, gesunde Menschenverstand, dass es auch etwas weniger sein darf als beim männlichen Mitbewerber. Frauenförderung nannte sich das, ein Steckenpferd von Rot-Grün und nicht erst jetzt ein toter Gaul. Den trägt die neue schwarz-gelbe Landesregierung nun mit ihrem 1. Gesetzesentwurf aus dem Plenarsaal.

Gut so, denn dieser Wink mit dem Zaunpfahl hat nicht nur Männer umgehauen, sondern auch Frauen! Die Männer hatten den Eindruck, mit ihrer Qualifikation bei einer Beförderung nicht mehr viel reißen zu können, wenn die Frau durchs "Frau sein" die Stelle schon hat. Und die Frauen mussten damit leben, dass vermutlich nicht nur Männer hinter ihrem Rücken getuschelt haben, dass es ohne dieses Vitamin "W" – im Wesentlichen – wohl nichts geworden wäre mit der schicken Stelle etwa bei Polizei oder Finanzverwaltung.

Strich drunter, die Regelung einer Regierung von gestern. Nein, noch nicht ganz. Die hatte es – so unterstelle ich mal – wirklich gut gemeint und schlecht gemacht. Ist eine Politik, die Frauenförderung ganz groß schreibt, mit dem Label "ideologisch" richtig gekennzeichnet? Das Etikett klebt die neue schwarz-gelbe Koalition nun auf fast alle rot-grünen Erbstücke und stellt sie dann an die Straße. Nüchternheit ist die neue Losung. Wenn es um die praktische Umsetzung einer Idee geht, ist genau die gefragt. Aber wo ist die Idee, vielleicht sogar die Vision für eine Frauenförderung, die Frauen auch tatsächlich in Führungsetagen bringt?

Im taufrischen Koalitionsvertrag ist von "zielgerichteter Frauenförderung als Voraussetzung für den Zugang von Frauen zu Führungspositionen" die Rede. Das ist mal nüchtern! Und die Neuen in Düsseldorf sind auf dem Weg zu einem "Gesetz für Chancengleichheit und Vielfalt". Das lässt noch keinen Mann zittern und keine Frau jubeln. Perfekt wäre ein solches Gesetz, wenn genau das auch nicht passiert. Wenn Männer, die Förderung nachvollziehen können und Frauen nicht über das Merkmal Frau mit der neuen Stelle in der Chefetage in Verbindung gebracht werden.

Aber bevor wir uns jetzt alle an den Händen fassen und einer Zukunft in Harmonie entgegenträumen, noch eine Fußnote. Es wird Widerstände geben, bei Chefs, bei männlichen Seilschaften in Betrieben. Da wird die neue Landesregierung auch mal was riskieren müssen und sich Feinde machen. Nüchternheit allein garantiert auf diesem hochemotionalen Feld noch keinen Erfolg.

Frauenförderung: Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 13.07.2017 | 03:14 Min.

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Redaktion: Jochen Zierhut

Stand: 12.07.2017, 17:28