EZB-Anleihekauf: Einstieg in den Ausstieg

Mario Draghi auf der EZB-PK 26.10.2017

EZB-Anleihekauf: Einstieg in den Ausstieg

Die Europäische Zentralbank setzt die milliardenschweren Wertpapierkäufe 2018 zwar fort, verringert das Volumen der Ankäufe aber deutlich. Ein erster Schritt zur Normalisierung der Geldpolitik? Ein Kommentar von Ulrich Ueckerseifer.

Puh, endlich! – Die Phase der superniedrigen Zinsen geht dem Ende entgegen, wenn auch nur ganz langsam.

Die Anleihekäufe gehen im nächsten Jahr nur mit halber Kraft weiter. 30 Milliarden statt 60 Milliarden im Monat, das noch mal neun Monate lang. Danach wird vermutlich bald ganz Ende sein mit den Anleihekäufen, und das hat einen ganz einfachen Grund: Dann sind alle weg, zumindest die Staatsanleihen, die die EZB kaufen darf – sie darf nämlich nur 1/3 der Schulden eines Landes in der Eurozone aufkaufen, und dieser Wert wird bei den meisten Ländern im Laufe des nächsten Jahres erreicht.

Das Ende ist also absehbar, und das ist gut so. Denn die Konjunktur, sie brummt wieder: In Deutschland sowieso und seit Jahren, inzwischen aber auch in vielen anderen Ländern Europas. Und die Inflation, sie ist mit 1 ½ % auch nicht mehr so weit von der Zwei-Prozent-Zielmarke entfernt. Da braucht man mittelfristig keine Anleihekäufe mehr, um die Zinsen noch weiter nach unten zu drücken. Es wäre sogar gefährlich. Denn wenn sich die Wirtschaft im Euroraum weiter so gut entwickelt, wie zu hoffen ist, dann gibt es im nächsten Jahr eine gefährliche Mischung: Gute Wirtschaftslage und damit auch steigende Einkommen, dazu Banken, die gerne Kredit geben, das kombiniert mit superniedrigen Zinsen – aus dieser Mischung entstehen Blasen zum Beispiel auf dem Immobilienmarkt. Und wenn die mal platzen, ist die nächste Krise da.

Bis so eine Blase gewachsen ist, dauert es einige Jahre – und diese Phase könnte gerade begonnen haben. Mario Draghi darf darum nicht den Fehler anderer Notenbanken in der Vergangenheit wiederholen und die Zinsen zu lange sehr niedrig halten, weil er so die nächsten Blasen geradezu züchten würde. Auf ein paar Monate mehr oder weniger kommt es dabei nicht an, doch die Richtung muss stimmen. Darum muss der nun kommenden Phase des halben Ausstiegs im Jahr 2019 eine echte Zinswende folgen. Das ist auch im Interesse der Europäischen Zentralbank selbst. Denn im Moment agiert die EZB wie ein Löschzug der Feuerwehr, der nach einem großen Brand mit dem Rest Wasser im Tank noch auf die Glut aufpasst. Doch der Tank, der muss auch mal wieder gefüllt werden - für den nächsten Brand. Bezogen auf die Zentralbank heißt das: Bis zur nächsten Krise – und die kommt sowieso irgendwann – müssen die Zinsen wieder auf einem deutlich höheren Niveau sein als heute. Einfach, damit man sie wieder senken kann und so die schwache Konjunktur stützen.

Doch vor der Senkung der Zinsen in ein paar Jahren steht erst mal das steigern. Wenn Mario Draghi das richtige Timing gelingt, dann kann er, wenn Ende 2019 seine Amtszeit endet, als ein ganz Großer der Geldpolitik von der Bühne gehen.

EZB-Anleihekauf: Einstieg in den Ausstieg

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 27.10.2017 | 02:41 Min.

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Redaktion: Lars Krupp

Stand: 26.10.2017, 18:07