Rente mit 73?

Rentenfiguren auf Bank auf Würfeln mit dem Wort Rente

Rente mit 73?

Das Institut der Deutschen Wirtschaft plädiert für ein späteres Renteneintrittsalter. Für manche erscheint es sinnvoll, für andere wiederum ist es ein Problem.

Pro Erhöhung des Renteneintrittsalters: Uwe Möller

Noch nie wurden Deutsche so alt wie heute. Die Lebenserwartung steigt und steigt. Mittlerweile werden Männer im Schnitt 78, Frauen 83 Jahre alt. Die Folge: im Schnitt wird eine Rente über 20 Jahre lang gezahlt – finanziert von denen, die noch nicht im Rentenalter sind.

Wir alle gönnen ihnen das, und wünschen uns für unseren Ruhestand auch nichts anderes. Was wir alle uns wünschen, muss aber bezahlt werden. Bekommen Rentner immer länger ihre Rente, müssten das die Arbeitnehmer und Unternehmen mit ihren Beiträgen zahlen. Mit Beiträgen, die ständig steigen würden. Netto bliebe dann immer weniger übrig. Viel weniger netto für längere Renten.

Wer das nicht will, muss handeln. Die Bundesregierung hat bereits die Rente mit 67 beschlossen, die 2029 in Kraft tritt. Vermutlich wird das nicht das Ende sein. Die Lebenserwartung steigt weiter. Da ist die Rente mit 69 oder 71 der nächste logische Schritt. Wie sollten wir sonst Renten finanzieren, die noch Jahrzehnte nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben gezahlt werden müssen?

Richtig ist: Natürlich gibt es Menschen, die nicht bis 67 oder 69 durchhalten können oder wollen. Andere würden auch heute schon liebend gern länger und über 65 hinaus arbeiten, dürfen es aber nicht.

Es ist Zeit für das, was andere Länder wie Norwegen oder Schweden schon längst haben: Eine flexible Altersrente. In Norwegen darf man mit 62 in Rente gehen, muss aber Abschläge hinnehmen. Man kann aber auch bis 75 arbeiten und bekommt dann als Belohnung eine höhere Rente.

Dann sind die Renten auch finanzierbar. Selbst wenn sie Jahrzehnte bezahlt werden müssen.

PRO Erhöhung des Renteneintrittsalters

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 26.07.2016 | 02:29 Min.

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Kontra Erhöhung des Renteneintrittsalters: Frank Christian Starke

Hätten wir doch einen normalen Sommer, dann würden wir jetzt über Tiere sprechen: wie damals über Sammy, das Krokodil aus dem Dormagener Baggersee oder Kuno, den Dackel fressende Killerwels aus Mönchengladbach. Nun ist auch das Sommerloch nicht mehr was es war, keine Tierabenteuer, aber zum Glück gibt‘s ja noch das Thema Rente, um sich wichtig zu machen. Rente mit 69, 70, 73, wer will noch mal, wer hat noch nicht, der Wettbewerb ist eröffnet, na super, endlich ein Aufregerthema.

Die Deutschen leben länger und bekommen somit länger Rente. Das ist doch prima. Einige "Experten" leiten daraus aber ab, dass man deshalb länger arbeiten müsse, fordern sogar mit mathematischer Präzision, dass ein Drittel der gestiegenen Lebenserwartung zu längerer Arbeitszeit wird. Diese Argumentation hat vor allem einen Fehler: Ein Arbeitsleben ist nun mal keine Rechenaufgabe. Es ist einfach Unfug, dass Schichtarbeiter, Verkäuferinnen oder LKW-Fahrer bis 70 oder noch länger arbeiten könnten. In zig Berufen sind die Arbeitnehmer nach 40 oder mehr Berufsjahren einfach durch. Ganz zu schweigen davon, dass es schlicht kaum Jobs für Endsechziger gibt, wer stellt die denn bitteschön ein?

Eine höhere Altersgrenze treibt die Menschen nur in Arbeitslosigkeit oder dazu, früher ihren Rentenantrag einzureichen. Dann gibt es heftige Abschläge: Für zwei Jahre zum Beispiel über 7 Prozent. Und das ein Leben lang. Ein Heraufsetzen des Renteneintrittsalters würde für Millionen Menschen also eine Rentenkürzung bedeuten. Das ist bei einem ohnehin sinkenden Rentenniveau schlicht nicht akzeptabel. Deshalb Schluss mit dieser unsinnigen Sommerlochdebatte - kann nicht mal bitte jemand ein Krokodil oder einen Killerwels aussetzen?

KONTRA Erhöhung des Renteneintrittsalters

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 26.07.2016 | 02:26 Min.

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Stand: 25.07.2016, 16:13