Kein Einspruch - was sonst?

Kein Einspruch - was sonst?

Von Holger Dahl

Sperrung der Haupttribüne für ein Heimspiel: Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund hat das Urteil des DFB akzeptiert – und reagiert damit auf die Attacken eigener Fans gegen Anhänger des RB Leipzig.

Die Stehplatztribüne wird gesperrt

Die Stehplatztribüne wird gesperrt

Ja - Was denn sonst? Zur Annahme der Strafe gab es keine Alternative - ein Einspruch des BVB wäre absolut nicht nachvollziehbar gewesen. Uneingeschränktes Ja zu den 100.000 Euro Strafe und ja zur Sperrung der Südtribüne für ein Heimspiel. Zwischen den Zeilen hatte sich die Entscheidung der Verantwortlichen schon abgezeichnet. Dafür gibt es jetzt - zumindest von mir - keinen Applaus, sondern einfach nur Akzeptanz.

Richtiges Signal

Die Entschuldigungen von Geschäftsführer Hans Joachim Watzke und Kapitän Marcel Schmelzer zeigten, dass die Borussia sich zu Recht verantwortlich fühlt. Und das bedeutet nun mal, dass es Konsequenzen für den Club und seine Anhänger geben muss. Die Sperrung der Südtribüne ist das richtige Signal. Natürlich ist eine Kollektiv-Strafe immer schwierig! Sie trifft viele Menschen, die sich nicht schuldig gemacht haben. Längst nicht alle Fans haben sich im Spiel gegen RB Leipzig daneben benommen.

Trotzdem ist mit der Vielzahl von Schmähtransparenten und der aggressiven Grundstimmung gegenüber den Gästen aus Leipzig in Dortmund eine Grenze überschritten worden, die eine Kollektivstrafe dieser Form nicht nur rechtfertigt - sondern sogar zwingend erforderlich macht. Eine neue Eskalationsstufe wurde erreicht. Nun wurde also ein Signal gesetzt - die leere Südtribüne wird ein starkes Bild gegen Gewalt sein.

Polemik vermeiden

Aber wie geht es weiter? Natürlich mit der juristischen Auseinandersetzung mit Gewalttätern und ihrer strafrechtlichen Verfolgung - mit Borussias Fortsetzung der Arbeit in einem schwierigen Fanumfeld. Viel wichtiger ist aber eine Änderung des Umgangs(tons?) mit RB Leipzig. Und da muss jeder öffentlich auftretende Mensch mal in den Rückspiegel gucken. Ich stehe dem Projekt RB Leipzig und seiner organisatorischen Struktur wie viele kritisch gegenüber. Ich werde zukünftig allerdings genauer darauf achten, Polemik zu vermeiden. Gerade in einer explosiven Grundatmosphäre muss äußerste Vorsicht gelten. Dessen müssen sich Journalisten, Vereinsführer und Fußballer bewusst sein. Auf jede Kritik zu verzichten, wäre allerdings falsch.

Permanente Bezeichnungen wie Dosenclub oder deutlich schlimmere Bilder setzen sich aber offensichtlich schnell im Bewusstsein fest, provozieren in den Köpfen schwacher Geister - wie zuletzt oft erlebt - drastische Reaktionen. Die bekommen jetzt ihre verdiente Gegenreaktion. In manchen Fällen hilft dann einfach nur noch Abschreckung nach dem Prinzip der heißen Herdplatte. Draufgefasst – verbrannt – Finger weg. So funktioniert hoffentlich auch die leere Südtribüne in Dortmund. Draufgucken - doof finden - und beim nächsten Mal anders benehmen. Ja - was denn sonst?

Kein Einspruch - was sonst?

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 14.02.2017 | 02:41 Min.

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Redaktion: Lars Krupp

Stand: 13.02.2017, 16:53