Dieselbashing

Abgas kommt sichtbar aus einem Auto-Auspuff

Dieselbashing

Nachdem der Diesel sein Traktor-Image abgelegt hatte, war er beliebt und politisch gewollt. Dann kam der Abgas-Skandal und alles war wieder anders: Dieselfahrer moralisch unter Druck und finanziell betrogen. Dirk Müller kommentiert.

Eigentlich traue ich mich kaum noch, es zu sagen: Ich bin Diesel-Fahrer. Seit Jahren. Aus Überzeugung. Weil es Spaß macht. Und weil es günstig ist. Hätte ich früher auch nicht gedacht, dass es mal so kommen würde. Als ich Autofahren lernte, vor mehr als 40 Jahren, wurden Dieselautos verspottet. Vor meinen geistigen Augen tuckert er noch über die Landstraße, der alte Mann mit Hut im schlamm-grünen Daimler.

Der Diesel galt als Spaßbremse. Doch das änderte sich. Mit der technischen Weiterentwicklung konnte man auch mal den Blinker nach links und zum Überholen ansetzen. Weil er die CO2-Bilanz aufbesserte, geschah das mit ruhigem Gewissen.

Der Diesel wurde und wird gefördert. Das kann man an jeder Tankstelle und in jeder Sprit-Preis-App nachlesen. Politisch gewollt und betrieben. So fand der Bauern-Antrieb immer mehr Freunde. Sparsamkeit und Spaß waren kein Gegensatz mehr, die Umwelt bedacht. Alles war gut.

Doch dann kam der VW-Skandal. Waren die offiziellen Verbrauchswerte schon nicht ernst zu nehmen, die Abgasmessungen waren Lug und Trug. Von der Industrie manipuliert, von der Politik nicht ernsthaft kontrolliert. Seitdem sind der Diesel und mit ihm deren Fahrer zum Abschuss freigegeben.

Jetzt stehe ich mit Millionen Dieselfahrern da: als Umweltsau angeprangert, mit möglicherweise schwer oder zumindest schlecht verkäuflichem Auto auch finanziell betrogen. Von der Industrie aber auch von der Politik.

Die versuchen, sich jetzt mit wilden Diskussionen zu retten: Fahrverbote, noch eine Plakette an der Windschutzscheibe, Nachrüstungen, die möglicherweise teuer sind und am Ende die Betrogenen, also die Autofahrer, auch noch selbst bezahlen sollen.

Was also tun? Ich werde meinen Diesel weiter fahren, auch wenn ich nicht sicher sein kann, dass sein EURO-6-Siegel umweltschutzmäßig viel bedeutet. Ich habe noch immer Spaß mit der Kiste und den lasse ich mir nicht nehmen. Gut, ich brauche das Auto nicht für tägliche Fahrten, kann mit dem Rad oder der Bahn zur Arbeit.

Aber das geht Millionen Menschen anders, die auf ihr Auto angewiesen sind. Dass die richtig sauer sind auf Hersteller und Politik finde ich nachvollziehbar.

Bei den Autoverkäufen ist das spürbar. Der Diesel-Anteil sinkt. In der politischen Debatte wirkt sich die Unzufriedenheit allenfalls indirekt aus, da spielen zu viele andere Faktoren eine Rolle bei einer Wahlentscheidung zum Beispiel.

Was unsere Mobilität angeht, gibt es zumindest allmählich Alternativen. Eine davon steht jetzt auch bei mir in der Garage: Ein kleiner Elektroroller. Und was soll ich sagen: Das Teil kann kein Auto vollständig ersetzen, aber es macht auf kurzen Strecken echt Spaß. Jetzt muss nur noch der Strom dafür richtig sauber werden.

Dieselbashing

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 05.05.2017 | 02:59 Min.

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Redaktion: Tamara Tischendorf

Stand: 04.05.2017, 16:19