Daimler oder VW? Hauptsache Geld!

Der DFB-Pokal neben dem Volkswagen-Logo

Daimler oder VW? Hauptsache Geld!

Der Deutsche Fußballbund wechselt von Mercedes zu VW als Hauptsponsor für die Nationalmannschaft. Beide Unternehmen stehen gerade stark in der Kritik. Das scheint den DFB nicht zu interessieren: Hauptsache das Geld fließt, meint Philipp Hofmeister in seinem Kommentar.

Es ist keine neue Erkenntnis, aber eine die sich immer mehr manifestiert: Im Fußball geht es eigentlich nur noch ums Geld. Den Großteil der Fans, inzwischen vielmehr zu Konsumenten degradiert, dürfte das kaum noch wundern. Die Spitze entfernt sich von der Basis, immer weiter, immer schneller.

Und der Deutsche Fußball Bund als größter Sportfachverband der Welt ist da zum Vorreiter mutiert. Mit dem Automobilkonzern Daimler wird jetzt ein enger Partner verprellt, mit dem man vertrauensvoll und äußerst erfolgreich zusammen gearbeitet hat. Fast ein halbes Jahrhundert lang. Künftig prangt also das Volkswagen-Logo auf Trainings- und Spielkleidung unserer Weltmeister. Das Logo eines Konzerns, der in letzter Zeit vor allem mit dem Abgasskandal und dessen Folgen zu kämpfen hatte.

Mit diesem Deal erhoffen sich die VW-Bosse jetzt wohl den Wendepunkt im Kampf ums eigene Image. Dafür haben sie sich als neuen Werbeträger den wohl größten Sympathieträger des Landes ausgesucht: unseren Fußball-Weltmeister. Und dafür werden sie tief in die Tasche gegriffen haben. Von bis zu 30 Millionen Euro im Jahr ist die Rede.

Dem Deutschen Fußball-Bund kann das nur recht sein. Begeistert hält dieser die Hände auf. Das Kernproblem ist aber, dass man sich um ethische Grundsatzfragen beim skandaldurchzogenen DFB schon lange nicht mehr schert.

 Seit der WM-Vergabe 2006 spielen Moral und Vorbildfunktion in der DFB-Spitze offenbar keine Rolle mehr.  Im letzten Jahr erst hatte man seinen ebenfalls langjährigen Ausrüster adidas gegen dessen US-amerikanischen Konkurrenten Nike ausgespielt. Die Amerikaner waren brennend am Einstieg beim Fußball-Weltmeister interessiert, adidas ging bis an die finanzielle Schmerzgrenze, um Partner der Nationalmannschaft zu bleiben. Zwar mit Erfolg. Doch der Gewinner dieses Millionenpokers hieß auch damals: Deutscher Fußball Bund. Es ist natürlich kein Verbrechen, seine Geschäfte zu optimieren und maximalen Gewinn in Verhandlungen heraus zu schlagen. Das gilt auch für den DFB.

Und dennoch fehlt den Fan und Fußball-Nostalgikern im ganzen Weltmeister-Land inzwischen der Glaube daran, dass diese Ertragsmaximierung auch dort ankommt, wo sie angebracht wäre: ganz unten, an der Basis. Bei den Menschen, die diesen ganzen Fußball-Boom der letzten Jahre überhaupt erst ermöglichen. Bis das soweit ist, ist aber leider davon auszugehen, dass solche Geschäfte einzig der Selbstherrlichkeit der Verbandselite dienen. Und die Werbepartner nicht mehr als Spielbälle sind.

Daimler oder VW? Hauptsache Geld!

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 15.07.2017 | 02:34 Min.

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Redaktion: Kirsten Pape

Stand: 14.07.2017, 15:43