Einzelglücksfall Bivsi

Protest gegen Abschiebung von Duisburger Schülerin Bivsi

Einzelglücksfall Bivsi

Von Bettina Altenkamp

Die 15-jährige Bivsi aus Nepal und ihre Eltern waren vor fast zwei Monaten abgeschoben worden. Jetzt sind sie zurück. Die Behörden gaben heftigen Protesten unter anderem von Mitschülern und deren Eltern nach.

Welcome Back, Bivsi. Ein Glück, die hier geborene 15-jährige Schülerin darf weiter zur Schule gehen und ihr Abitur anpeilen. Ein Glücksfall, der die zum Teil absurden Mechanismen unseres Ausländerrechts offenbart.

Denn nicht nur Bivsi, auch ihre Eltern, die vor fast 20 Jahren nach Deutschland gekommen waren, gelten als gut integriert. Der Vater hat die meiste Zeit als Koch gearbeitet, konnte seine Familie weitgehend selbst ernähren. Okay, ganz am Anfang des Asylinstanzenwegs, da hatte der Vater bei der Frage nach der Herkunft gegenüber den Behörden nicht die Wahrheit gesagt. Was ein Verfahren zur Folge hatte, das gegen eine Zahlung von 500 Euro eingestellt wurde.

Nur - diese Lüge hatte in den ganzen Jahren und über die Instanzen hinweg die Aussichten auf eine gute, humanitäre Lösung für die Familie aus Nepal quasi vernichtet. Wohlgemerkt: für eine gut integrierte Familie. Dass die unheilvolle Geschichte rund um Bivsi zunächst ein gutes Ende gefunden hat, ist der guten PR-Arbeit der Mitschüler und Lehrer zu danken, der Menschen vor Ort, die laut geworden sind. Und auch dem unwürdigen Vorgehen der Polizei, die Bivsi aus dem Unterricht zur Abschiebung gezerrt hat.*

So seltsam sich das vielleicht anhört: auch das war für Bivsi im Grunde ein Glücksfall, denn die Bilder der Aktion waren erschreckend, der Aufschrei umso lauter, so dass auch die Politiker handeln mussten. Nun also: Ein Einzelglücksfall für Bivsi und ihre Eltern, zumindest für die nächsten drei Jahre bis zum Abitur.

Vermutlich gibt es unzählige solcher Schicksale von hier geborenen Kindern und Jugendlichen, deren Fälle und Grad der Integration nicht einzeln betrachtet, sondern mechanisch nach Aktenlage behandelt werden. Der Einzelglücksfall für Bivsi muss die politische Arbeit an einem gescheiterten Einwanderungsgesetz zur Folge haben. Bei dem die Dauer des Aufenthalts, Sprachkenntnisse, Bildung, Wille zur und Grad der Integration mit entscheiden. Sonst bleibt der Fall Bivsi leider nur ein Einzelglücksfall.

*Anmerkung der Redaktion: Die Polizei hat uns darauf hingewiesen, dass Bivsi von Beamten in Zivilkleidung aus der Schule geholt wurde. Diese hätten im Direktorenzimmer gewartet und ein Lehrer habe die Schülerin aus der Klasse geholt.

Bivsi und die NRW-Justiz

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 02.08.2017 | 02:24 Min.

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Redaktion: Ulrike Römer

Stand: 02.08.2017, 12:36