Audi im Dieselsumpf

Rote Ampel vor Audi-Logo

Audi im Dieselsumpf

Die Staatsanwaltschaft erweitert ihre Ermittlungen gegen Audi in der Diesel-Affäre nun auch auf Verkäufe in Europa. Entschädigungen für deutsche Autofahrer aber wird es aller Voraussicht nach nicht geben. Ulrich Czisla plädiert in seinem Kommentar für die Einführung von Sammelklagen.

Jetzt also auch die Audi-Oberklasse! Knapp zwei Jahre nach Aufdeckung der Abgas-Betrügereien beim VW-Konzern ist man von einer endgültigen Aufklärung, gar von einem Abschluss der Affäre, offenbar noch weit entfernt. Will man nicht aufklären? Oder kann man nicht?

Genau genommen gibt es nur diese zwei Möglichkeiten, wobei unklar ist, bei welcher das Unternehmen das noch schlechtere Bild abgibt: Entweder die Vorstandsetage hat tatsächlich nichts über die fünf Jahre lang eingesetzte, spezielle Software gewusst, - die dafür sorgte, dass auf dem Prüfstand wesentlich weniger Stickoxide als auf der Straße ausgestoßen werden. Dann – so muss man feststellen – ist dem Management vollkommen die Kontrolle über das eigene Unternehmen entglitten.

Oder sie haben es gewusst - scheuten sich aber, diese Erkenntnisse selbst öffentlich zu machen. Und hielten sie zudem – wie Audi-Chef Stadler jetzt sagte – für legal, weil – sie ja schließlich nach derzeitigem Stand nicht verboten gewesen sei. Dass würde dann allerdings auch zeigen, was von der vielbeschworenen neuen Kommunikationsstrategie, der neuen Offenheit im VW-Konzern zu halten ist. Nämlich nichts. Das vom Vorstand im Herbst 2015 zerknirscht, ja fast weinend vorgetragenen Versprechen, man habe gelernt und werde in Zukunft alles ganz anders machen, wären dann nichts als Lippenbekenntnisse.

Aber Konsequenzen fürchten muss VW in Deutschland ja offenbar auch nach diesen neuen Enthüllungen nicht. Die gibt es nur in den USA. Nur knapp zwei Drittel der hierzulande manipulierten 2,6 Mio. Diesel des VW-Konzerns sind bisher überhaupt erst umgerüstet – also z.B. mit neuer Software versehen – worden. Eine Aktion, die eigentlich spätestens Ende vergangenen Jahres abgeschlossen sein sollte. Und während zehntausende von Dieselfahrern ihre Autos auf dem Gebrauchtwagenmarkt nicht mehr oder nur noch mit einem deutlichen Abschlag zum ursprünglichen Wert losschlagen können, wiederholt der Wolfsburger Konzern gebetsmühlenartig, dass es für deutsche Autofahrer keine wie auch immer geartete Entschädigung geben werde. Anders als in den USA, wo für betrogene Kunden Milliardenbeträge ausgegeben werden.

Wer als Bundesbürger bei der Durchsetzung seiner Schadensersatzansprüche allerdings auf die Unterstützung durch die Politik hofft, der hofft vergebens. Die Einführung einer Sammelklage ist vertagt, sie kommt frühestens in der neuen Legislaturperiode - wenn überhaupt. Für viele Opfer der VW-Abgas-Affäre dürfte es dann ohnehin zu spät sein, ihre Ansprüche sind dann verjährt.

Redaktion: Brigitte Simnacher

Stand: 02.06.2017, 16:10