Afrika und G20: Auf Augenhöhe?

Afrika und G20: Auf Augenhöhe?

Von Jens Borchers

Die Gruppe der 20 stärksten Industrie- und Schwellenländer will mit afrikanischen Staaten partnerschaftlich kooperieren. An warmen Worten und großen Gesten mangelt es auf dem Afrika-Gipfel in Berlin nicht.

Zwei Männer schütten Kakaobohnen auf einer großen Plane aus

Jetzt also "Partnerschaft mit Afrika"! Was bisher offenbar keine Partnerschaft war, soll nun eine werden. Ich frage mich allerdings, was das wohl für eine Partnerschaft werden soll. Das Schema kommt mir sehr bekannt vor: Die afrikanischen Staaten sollen bestimmte Reformen umsetzen. Im Gegenzug fließt Geld, im konkreten Fall also das Geld privater Investoren. So wollen es die G20-Staaten in dieser Partnerschaft halten.

Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass Staaten wie Ghana, Tunesien oder die Elfenbeinküste dieses Grundprinzip als "Partnerschaft" verstehen werden. Sie werden in Berlin lächeln, höfliche Dinge sagen und dann nach Hause zurückkehren mit dem Eindruck: Ja, so kennen wir es doch schon lange aus der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit - die sagen uns, was wir zu tun haben, und dafür winken sie mit ihren Euro- und Dollar-Scheinen.

Es ist kein Geheimnis, dass Afrikas Regierungschefs längst genervt sind von dieser  Art der Partnerschaft. Und voraussichtlich werden sie so reagieren, wie wir es schon häufig in der Entwicklungszusammenarbeit erlebt haben: Die Reformen werden versprochen. Aber ihre Umsetzung wird dauern und dauern und dauern. Die spannende Frage wird sein, ob dann dennoch private Investitionen nach Afrika fließen werden. Oder ob der Tiger der G20 "Partnerschaft mit Afrika" dann doch nur als Bettvorleger landet. Aber nehmen wir einmal an, es kommen tatsächlich Investitionen in Gang. Dann stellt sich die zweite spannende Frage: In was wird da investiert?

Vertreter der Bundesregierung verbinden diese "Partnerschaft mit Afrika" natürlich sofort mit dem Thema, das ihnen am heftigsten unter den Nägeln brennt: die Eindämmung der Migration. Denn mit gelungenen Auslands-Investitionen in Afrika würden ja Arbeitsplätze geschaffen - und wer Arbeit habe, bleibe eher zu Hause.

Ich meine, so einfach wird es nicht. Vor allem aus zwei Gründen. Erstens: Viele afrikanische Staaten brauchen vor allem Investitionen in Straßen, Häfen,  Bahnlinien und Stromproduktion. Solche Investitionen haben bisher vor allem die Chinesen getätigt. Und sich dafür langfristigen Zugriff auf Rohstoffe gesichert. Europäische oder gar deutsche Firmen - Fehlanzeige. Warum sich das mit der Partnerschaft für Afrika ändern sollte, habe ich bisher nicht verstanden.

Zweitens: Viele afrikanische Staaten brauchen dringend Investitionen für Schulen und Universitäten, für den Gesundheitsbereich und für die Landwirtschaft. Das heißt, sie brauchen Investitionen, die den Bedürfnissen ihrer Bevölkerungen entsprechen. Ausländische Investoren interessieren sich für das Wohl ihrer Unternehmen. Das steht für sie im Zentrum, und das ist ja auch legitim. Aber es sollte bitte niemand den Eindruck erwecken, dass damit die strukturellen Probleme vor allem im südlichen Afrika gelöst werden könnten.

Afrikanische Regierungen müssen notwendige Reformen selbst wollen und umsetzen. Und dann, erst dann, bei den notwendigen Investitionen, die ihren Bevölkerungen dienen, Unterstützung bekommen.

Afrika und G20: Auf Augenhöhe?

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 13.06.2017 | 03:06 Min.

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Redaktion: Gertrud Sterzl

Stand: 13.06.2017, 12:11