Schaden durch die AfD?

 Symbolbild: Alternative für Deutschland (AfD)

Schaden durch die AfD?

Von Golo Schmidt

Die AfD will im Bundeswahlkampf mit den gleichen Themen punkten, die ihr bei mehreren Landtagswahlen bereits zweistellige Ergebnisse brachten. Und zwingt damit zum Diskurs, meint Golo Schmidt in seinem Kommentar.

"Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Grenzen für Flüchtlinge. Deutschland ist nicht das Weltsozialamt." Etc. pp. Was die AfD sich auf die Fahnen schreiben will, wenn sie in den Wahlkampf zieht, überrascht nicht. Es sind die Dauerbrenner der Partei. Und sicher werden wir bis zur Bundestagswahl noch die eine oder andere schrille Ausformung zu hören bekommen. Wie auch so manche Provokation.

Und dennoch: Die AfD gehört zu Deutschland. Sie macht Sinn.

Wenn Petry, Gauland und Co auf Asylbetrug und Klau-Kinder schimpfen, auf Gender-Gaga, Sprachpolizei und Öko-Wahn, dann greifen sie nichts aus der Luft, sondern sprechen aus, was sich in vielen Ecken des Landes nach und nach aufgestaut hat: Ärger, Frust, Ängste.

Es gibt sie eben unter deutschen Dächern: Menschen, die die Nase voll haben von ökosozialer Bevormundung und rotgrüner Zwangsbeglückung. Menschen, die sich an die Wand gedrückt fühlen von moralingetränkter Überheblichkeit. Menschen, die den Bekundungen islamischer Friedfertigkeit misstrauen, weil sie in den Nachrichten ganz andere Geschichten hören – von sexistischen Attacken bis zum islamistischen Attentat.  

Sind all diese Menschen Dumpfbacken und Blindschleichen? Mitnichten. Es sind zu großen Teilen gut Gebildete, die der AfD folgen, die meisten übrigens aus den Milieus von Union, SPD und Linkspartei. Ihr Unbehagen, ihre Befürchtungen sind real und es steht ihnen zu, ernst genommen zu werden.

Die Auseinandersetzung mit der banalsten wie auch mit der krudesten Auffassung dient – Achtung, großes Wort, aber um nichts geringeres geht es  - dient der DEMOKRATIE. Ohne Vielfalt von Sichtweisen und Vorschlägen verkäme die nämlich zum Scheingebilde. Nur das selige Politbüro einer Einheitspartei hätte daran seine Freude.

Kein europäisches Land will grenzenlos Flüchtlinge aufnehmen, keines will seine Wiesen mit Windrädern zuparken, keines will seinen Bürgern einen politisch korrekten Sprachgebrauch aufdrängen. Ist Deutschland also umgeben von einer Horde aus Menschenfeinden und Ewiggestrigen? Wohl kaum. Es ist allemal erlaubt, alles in Frage zu stellen und zu verwerfen - und auch anders anzugehen als diejenigen, die glauben, sie allein hätten Vernunft und Weisheit gepachtet. Andernfalls stände es nicht gut ums Land. Denn man müsste befürchten, es sei auf dem Weg, sich den Fabrikanten politischer Beruhigungspillen zu unterwerfen.

Das soll nicht heißen, dass die AfD die glücklich machende Alternative wäre. Schon gar nicht, solange sie nicht ihre Extremisten einfängt. Aber sie legt vieles auf den Tisch. Sie zwingt zum Diskurs. Und sie bringt damit viele Nichtwähler zur Wahl - jene vor allem, die sich von anderen Parteien nur noch gegängelt und belehrt oder missachtet fühlen. Kann die Demokratie durch diese Partei Schaden nehmen? Umgekehrt wird ein Schuh draus.

Schaden durch die AfD?

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 10.03.2017 | 02:59 Min.

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Redaktion: Gertrud Sterzl

Stand: 09.03.2017, 14:12