Netz-Angebote entlarven falsche Fakten

Fake News

Netz-Angebote entlarven falsche Fakten

Von Alexander Haas

Bewusst verzerrte oder gefälschte Nachrichten tragen zur gezielten Desinformation bei. Zuletzt gab es immer wieder aufsehenerregende so genannte Fake News in Politik und Gesellschaft. Sie zu entlarven, ist Ziel einiger Angebote im Netz.

Exemplarisch greifen wir drei bekannte Fälle von falschen Fakten der letzten Monate heraus. Fall eins: Ein Zitat, das (ausgerechnet) Donald Trump untergeschoben wurde. Es stammt aus der Zeit, als er seine Präsidentschaftskandidatur für die Republikaner bekannt gab. Demnach hatte er viele Jahre zuvor die Wähler der Republikaner verunglimpft: Wenn er einmal als Präsidentschaftskandidat antreten würde, dann bei den Republikanern, weil deren Wähler die dümmsten im Land seien. Gesagt haben soll Trump das 1998 in einem Interview mit dem People Magazine - hat er aber nie getan.

Fake Zitat von Donald Trump

Screenshot (buzzfeed.com) der Text-Bild-Montage

Die gefälschte Montage aus Zitat und Foto hat sich unglaublich schnell viral im Netz verbreitet, zudem mit hohem Verbreitungsgrad (man spricht in so einem Fall von "Meme"). Darüber aufgeklärt, dass es sich um ein Zitat ohne Wahrheitsgehalt handelte, hatten seit Juli 2016 das amerikanische Portal Buzzfeed, später auch CNN und im deutschsprachigen Raum das Portal Mimikama und das Netzmagazin t3n.

Künast: "Dieses Zitat ist frei erfunden"

Zweiter Fall: Das gefälschte Zitat der Grünen-Politikerin Renate Künast vom Dezember 2016. Es stand im Zusammenhang mit der Ermordung einer Freiburger Studentin und der Festnahme eines Verdächtigen. Es tauchte auf verschiedenen Facebook-Seiten auf, unter anderem auf der Seite "Widerstand deutscher Patrioten". Die angebliche Aussage Künasts lautete: "Der traumatisierte junge Flüchtling hat zwar getötet, man muss ihm aber jetzt trotzdem helfen." Als Quelle für das Zitat wurde die "Süddeutsche Zeitung" genannt.

Medienberichten zufolge hat Künast zunächst mit einem eigenen Post reagiert. "Dieses Zitat ist frei erfunden", schrieb sie demanch. Und: "So werden Fake News produziert". Im Anschluss stellte Künast Strafanzeige gegen die Macher der "Widerstand"-Seite sowie gegen unbekannt. Unter anderem Mimikama hatte das Zitat am 6. Dezember 2016 als unwahr gemeldet.

Breitbart über den "Mob" in Dortmund

Dritter Fall: Die von der rechtspopulistischen US-Nachrichtenseite "Breitbart“ in Umlauf gebrachte Falschmeldung, in Dortmund habe in der Silvesternacht 2016 ein Mob von 1.000 Menschen die Reinoldi Kirche angezündet und "Allahu akbar“ gerufen. "Breitbart“ wurde im US-Wahlkampf bekannt. Der frühere Chefredakteur der Seite, Steve Bannon, ist inzwischen Chefberater des neuen US-Präsidenten.

Am 5. Januar 2017 veröffentlichte die Dortmunder Polizei ihre "amtlichen Fakten“ zur fraglichen Nacht. Als Fazit steht dort: "Herausragende oder spektakuläre Silvester-Sachverhalte wurden bis zum heutigen Tage nicht gemeldet." Bereits am 4. Dezember meldete der WDR ein gefälschtes Video über die Nacht.

Angebote, die Fake News enttarnen

Wie kann man im schnellen Nachrichten-Fluss insbesondere de sozialen Medien erkennen, welche Meldungen der Wahrheit entsprechen und welche nicht? Inzwischen gibt es eine Reihe von Angeboten, die helfen, Wahres von Unwahrem zu unterscheiden.

Washington Post twittert Korrekturen zu Trump

Über die sozialen Medien werden mittlerweile Gerüchte oder Falschaussagen enttarnt - ein Beispiel dafür ist der Twitter-Account @realDonaldCntxt der Washington Post. Dort twittert die amerikanische Zeitung Informationen, die falsche oder irreführende Aussagen des US-Präsidenten Donald Trump korrigieren oder mit Kontext versehen. Über den Account teilt das Blatt mit, es wolle sicherstellen, "dass die Öffentlichkeit so korrekte Informationen wie möglich erhält, indem wir mehr Kontext oder Korrekturen bereitstellen“.

Die Redaktion kommentiert in diesem Sinne betreffende Tweets von Trump. So hat Trump getwittert, dass "Christen im Nahen Osten in hoher Anzahl exekutiert“ worden seien. Der Kommentar der Redaktion dazu lautet: "Es fehlt wichtiger Kontext. Deutlich mehr Muslime als Christen sind im syrischen Bürgerkrieg und vom Islamischen Staat getötet worden."

Mimikama - zur Bekämpfung von Internetmissbrauch

Screenshot einer Seite von mimikama.at

Enttarnte Falschmeldung - Screenshot (mimikama.at)

Medienverbünde wie First Draft, Recherchezentren wie Correctiv in Essen oder aber Vereine haben sich ebenso die Aufdeckung falscher Tatsachen zur Aufgabe gemacht. So auch der Verein Mimikama mit Sitz in Wien: er beschreibt sich selbst als "internationale Koordinationsstelle zur Bekämpfung von Internetmissbrauch". Auf mimikama.at kann man sowohl als Fake News enttarnte Meldungen recherchieren als auch selbst auf vermeintlich falsche Fakten hinweisen. Für die eigene Recherche gibt es eine Suchmaschine. Als Ergebnisse weist Mimikama auf Artikel hin, in denen bestimmte Meldungen als Fakes entlarvt werden. Dabei beziehen sie sich auch auf Recherchen anderer Medien.

Gibt man etwa den Namen des rechtspopulistischen Kopp Verlags ein, erscheint unter anderem ein Mimikama-Artikel über eine Meldung von Kopp Online vom August 2016. Der Meldung zufolge sind Flüchtlinge im Regierungsauftrag "bei Nacht und Nebel" per Flugzeug in Deutschland gelandet. Dieselbe These hatte kurz zuvor Austria-netz.de verbreitet. Der Aufklärungsartikel von Mimikama dokumentiert die Anfrage der Redaktion zu dieser Behauptung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie den aufklärenden Tweet des Bundesinnenministeriums (BMI) zu den, so das BMI, "angeblich geheimen Nachtflügen“.

Hoaxmap - Falschmeldungen über Flüchtlinge aufdecken

Es gibt aber auch Seiten, die falsche Fakten über bestimmte Themen bündeln - und sie richtigstellen. So widmet sich Hoaxmap.org schwerpunktmäßig Gerüchten und Falschmeldungen über Flüchtlinge und Asysluchende in Deutschland. Auf einer interaktiven Karte sind der Redaktion bekannte Orte markiert, an denen angeblich Gewalttaten oder andere Delikte von Flüchtlingen verübt worden sein sollen.

Hoaxmap

Die interaktive Karte, anhand derer die Seite Hoaxmap vermeintlich von Flüchtlingen begangene Handlungen erfasst (Screenshot hoaxmap.org)

Klickt man auf eine Markierung, wird zunächst das Gerücht knapp zusammengefasst. Zusätzlich gibt es einen Link zur Widerlegung der Falschmeldung. Diese Links führen zu einem Medium, häufig Onlinepräsenzen von regionalen Tageszeitungen, das die Meldung im Rahmen eines Artikel als gefälscht entlarvt hat. Neben der Karte gibt es auch eine chronologische Liste, auf der die Hoaxmap-Macher die ihnen bekannten und widerlegten Falschmeldungen erfassen. So verlinkt Hoaxmap zum Beispiel unter dem Datum 30.12.2016 einen Artikel des Onlinemagazins Meedia, der die Breitbart-Meldung zu Silvester 2016 in Dortmund als Fälschung entlarvt.

Stand: 02.02.2017, 17:00