"Merkels Herausforderer waren noch langweiliger"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht am 16.07.2017 in Berlin im ARD-Sommerinterview.

"Merkels Herausforderer waren noch langweiliger"

Die Kanzlerin hat sich im ARD Sommerinterview wieder als ruhender Pol gezeigt, Kritik lässt sie abperlen. Gute Strategie oder langweilig? Merkels Herausforderer konnten bislang noch weniger begeistern, findet Merkel-Kennerin Margaret Heckel.

Margaret Heckel ist Journalistin und Autorin. Sie beobachtet Kanzlerin Angela Merkel seit Jahren und hat das Buch "So regiert die Kanzlerin" geschrieben.

Portrait Margaret Heckel

Margaret Heckel

Das ARD Sommerinterview mit Angela Merkel (16.07.2017) habe wenig Neues hervorgebracht. Heckel überraschte es allerdings, dass fast gar keine Fragen zur Flüchtlingskrise gestellt wurden – vor allem zu der Frage, ob Deutschland es wirklich geschafft hat, was Merkel vor zwei Jahren mit dem berühmten Satz "Wir schaffen das" angekündigt hat. Das habe dann doch gezeigt, "dass die Flüchtlingskrise definitiv nicht der Punkt sein wird, an dem eine mögliche Wiederwahl von Angela Merkel scheitern wird – was ja vor zwei Jahren immer prognostiziert wurde", so Heckel.

Titel der "Teflon-Kanzlerin"

Kritik lässt die Kanzlerin, wie gewohnt, souverän abperlen. Das hat sie im ARD Sommerinterview erneut gezeigt, was ihr von Kommentatoren den Titel der "Teflon-Kanzlerin" eingebracht hat. Margaret Heckel bezeichnet Merkel als "der ruhende Pol inmitten global außerordentlich aufregender und verwirrender Zeiten". Die ständigen, nie endenden Krisen lassen die Kanzlerin durch drei Legislaturperioden als diejenige erscheinen, die Stehvermögen hat, bilanziert Heckel.

Merkels Strategie des letzten Wahlkampfes – "Sie kennen mich, Sie können mir vertrauen" – scheint für die Wählerinnen und Wähler wichtig zu sein. Das Interview habe gezeigt, dass sie an dieser Strategie festhalten wird. "Das ist der Kern dessen, was die Wählerinnen und Wähler beantworten müssen, wenn Sie in die Wahlkabine gehen: Wem vertrauen sie die Führung dieses Landes an?" Daran werde sich die Wahlentscheidung manifestieren, ist Heckel überzeugt.

Wie hat sich die Kanzlerin im TV geschlagen?

WDR 5 Morgenecho - Interview | 17.07.2017 | 04:37 Min.

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Angela Merkel lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, gibt sich entspannt – diese Haltung kann auch irgendwann langweilig werden. Bei Helmut Kohl, der 16  Jahre als Kanzler regiert hat, hat sich zum Schluss gezeigt, dass die Menschen ihn über hatten. Er wurde abgewählt. "Merkel scheint offensichtlich noch nicht an diesem Punkt zu sein", sagt Heckel. "Oder aber, und das ist eine durchaus wahrscheinlichere Variante, ihre Herausforderer waren bislang auf ihre Art und Weise so langweilig, dass sie auch nicht begeistern konnten."

Merkel profitiert von schwachen Herausforderern

Das sehe man beim jetzigen Herausforderer der SPD, Martin Schulz, klar und deutlich, meint Heckel: Martin Schulz habe bei seiner Nominierung Begeisterungsstürme bei seinen Anhängern hervorgerufen, neue Parteimitglieder gewonnen. "Er konnte das nicht halten. Und es sieht überhaupt nicht danach aus, dass er das wieder in Schwung bringen kann", findet Heckel. Das bedeutet: Angela Merkel profitiert auch von ihren schwachen Herausforderern.

Stand: 17.07.2017, 08:55