Eine Kämpferin für die Umwelt geht

Bärbel Höhn

Eine Kämpferin für die Umwelt geht

Sie gilt als eine der erfahrensten und profiliertesten Umweltpolitikerinnen Deutschlands. Zehn Jahre lang war Bärbel Höhn Ministerin in NRW, 2005 zog sie für die Grünen in den Bundestag ein. Nach drei Legislaturperioden wird sie nun aus dem Parlament ausscheiden.

WDR 5: Sie hatten schon 2014 angekündigt, dass es Ihre letzte Runde im Bundestag sein wird. Aus persönlicher Betroffenheit sind Sie Anfang der 80er Jahre überhaupt erst in die Politik eingestiegen.

Bärbel Höhn: Ich hatte eigentlich nicht vor, in die Politik zu gehen. Unser jüngster Sohn wurde sehr schwer krank durch die Luftverschmutzung im Ruhrgebiet, als wir dort hingezogen sind. Das hat mich animiert, in die Politik zu gehen und gegen eine geplante Giftmüllverbrennungsanlage dort zu kämpfen. Dann ging es über das Kommunal- in das Landesparlament.

Bundestag adé - Eine Kämpferin für die Umwelt geht

WDR 5 Morgenecho - Interview | 13.07.2017 | 05:52 Min.

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WDR 5: 1990 sind Sie in den NRW-Landtag eingezogen, wurden gleich Fraktionsvorsitzende und in der rot-grünen Koalition ab 1995 dann Umwelt- und Landwirtschaftsministerin und fünf Jahre später auch Verbraucherschutzministerin. War Ihre Einstellung immer: Wenn ich schon Politik mache, dann will ich auch was zu sagen haben?

Bärbel Höhn spricht mit einer jungen Frau

Die Wahlkampftour ist vorbei

Höhn: Ein bisschen war es vielleicht auch Zufall, dass ich direkt Nummer eins auf der Liste wurde. Und damit auch Fraktionsvorsitzende und am Ende Ministerin. Für mich war sehr wichtig, etwas aus der Verantwortung und diesem Amt zu machen. Das habe ich immer, so gut ich konnte, getan. Den ganzen Verbraucherschutzbereich habe ich aufgebaut. Deswegen war es nur konsequent, dass wir im Jahr 2000 gesagt haben: erste Verbraucherschutzministerin überhaupt, die es in Deutschland gibt. Vorher hatte ich den Verbraucherschutz im Ernährungsbereich aufgebaut. Von daher habe ich ein neues Feld eröffnet. Wahrscheinlich auch, weil ich die erste grüne Landwirtschaftsministerin war, mir diese ganze Arbeit stärker aus dem Blick der Verbraucher angeschaut und mehr Rechte für sie eingefordert habe.

WDR 5: In all den Jahren in der Landespolitik und ab 2005 dann im Bundestag fiel auf, dass Sie streiten können in der Sache, aber immer etwas erstaunt geguckt haben, wenn einer die Ebenen gewechselt hat und Sie persönlich angegangen ist. Oft haben Sie den Eindruck einer gewissen Widerwilligkeit vermittelt, sich auf solch einer Ebene zu wehren. Ist Ihnen das an der Politik immer etwas fremd geblieben?

Bärbel Höhn während einer Pressekonferenz

Auf persönlich verletzende Argumente nicht eingelassen

Höhn: In der Tat ist es so, dass ich aus einem inhaltlichen Grund in die Politik eingestiegen bin und dass ich immer versucht habe, die Auseinandersetzung inhaltlich zu führen. Das ist so meine Art und das, wofür ich stehe. Deshalb habe ich mich auf richtig persönlich verletzende Argumente nicht eingelassen. Wir müssen um das beste Konzept streiten und wir müssen versuchen, die Bevölkerung zu überzeugen. Das tun wir nicht, in dem wir uns persönlich beleidigen.

WDR 5: Gibt es für Sie etwas Bleibendes, das Sie hinterlassen?

Höhn: Der Verbraucherschutz, der heute aus der Politik nicht mehr wegzudenken ist. Das war 1995, als ich das Landwirtschaftsressort übernommen habe, überhaupt nicht so. Es gab zwar Verbraucherschutzzentralen, aber das hat in der täglichen Debatte keine Rolle gespielt.

Ein riesiger Bagger fährt vor der Kulisse des RWE-Kraftwerkes Niederaußem durch den Tagebau Garzweiler in der Nähe von Grevenbroich Braunkohle.

"Wir wissen, dass es eine auslaufende Technologie ist"

Auch wenn ich auf einem anderen Gebiet den Kampf gegen die Genehmigung von Garzweiler II verloren habe, am Ende wurde das Tagebaugebiet verkleinert. 1.500 Menschen mussten nicht umgesiedelt werden. Das war der Beginn der Diskussion um Klimaschutz, CO2-Ausstoß, die Umsiedlung der Menschen dort, die Probleme, die mit dem Wasser verbunden sind. Ich glaube, ein so großes Projekt kann man nicht sofort stoppen. Aber durch die Diskussion, die wir geführt haben, ist es so, dass in Nordrhein-Westfalen niemand mehr darüber nachdenkt, Braunkohletagebaue neu zu eröffnen, wie das im Osten Deutschlands in den letzten Jahren noch häufig der Fall war. Wir wissen, dass es eine auslaufende Technologie ist.

WDR 5: Und ohne Sie gäbe es keine bundestagseigenen Bienen.

Die Vorsitzende Umweltausschuss, Bärbel Höhn (Grüne), beobachtet am 26.07.2016 im Paul-Löber-Haus in Berlin, wie Honigwaaben aud einem Bienstock entnommen werden und später geschleudert wird.

Bienen in den Bundestag geholt

Höhn: Das ist ein sehr, sehr schönes Projekt, das ich die letzten Jahre installiert habe. Das wird auch bleiben, dafür habe ich schon gesorgt. Anfangs gab es sehr viel Widerstand, aber ich wollte diese Bienen haben, um auf das Insektensterben hinzuweisen, das mit einer sehr intensiven Landwirtschaft verbunden ist. Da ist es wichtig zu zeigen: Wir haben hier auch Bienen im Bundestag, die holen ihren Honig aus dem Tiergarten und von den Bäumen Unter den Linden, also Lindenblütenhonig. Das ist mittlerweile ein großer Sympathieträger und ein schönes Symbol für den Bundestag. Auch da habe ich etwas erreicht, das über meine Zeit hinausgeht.

Das Gespräch führte Thomas Schaaf im WDR 5 Morgenecho vom 13.07.2017

Für eine bessere Rezeption weicht die schriftliche Fassung des Interviews an einigen Stellen vom gesendeten Interview ab. Die intendierte Ausrichtung der Fragen und Antworten bleibt dabei unberührt.

Stand: 13.07.2017, 13:19