"Integration findet in der Kommune statt"

Stadtzentrum und Burg Altena

"Integration findet in der Kommune statt"

Altena im Sauerland erhält den erstmals verliehenen Nationalen Integrationspreis der Bundeskanzlerin für die gelungene Integration von Flüchtlingen. Frank-Jürgen Weise, Jury-Mitglied und Flüchtlingsmanager im Bund, erklärt im WDR 5-Interview, warum.

WDR 5: Sie haben auch in der Jury gesessen, die Altena für den Nationalen Integrationspreis ausgewählt hat. Was macht für Sie einen guten Umgang mit Geflüchteten aus? Welche Kriterien haben Sie?

Frank-Jürgen Weise: Es gab sehr schöne, interessante Beispiele, so dass es fast schwer gefallen ist, eine Stadt besonders herauszuheben. Einmal ist es ein großes Engagement der Bürger, die in verschiedenen Vereinen und Institutionen für dieses Thema Zeit und Interesse investieren. Es ist eine professionelle Arbeit der Hauptamtlichen, da sind dann die Ausländerbehörde, die Jobcenter, die Stadtverwaltung dabei.

Das dritte Element ist, dass man in Deutschland Freunde gewinnt und dass so etwas in der kleinen Lebensgemeinschaft der Kommune stattfindet. In Vereinen für die Kinder der geflüchteten Menschen, für die Frauen. Diese Kombination, die macht's eigentlich aus und die hat dann den Ausschlag gegeben, eine Stadt auszuzeichnen, die es eigentlich in ihrem eigenen Umfeld sehr schwer hat und sich so engagiert.

Altena: Ausgezeichnete Integration

WDR 5 Morgenecho - Interview | 17.05.2017 | 07:12 Min.

Download

WDR 5: Wie schafft man es denn beim Flüchtlingsmanagement, bei dem es um so viele Menschen geht, dass das Persönliche und das Individuum nicht auf der Strecke bleibt?

Weise: Das ist ein Thema, dass man unter all diesen Verfahren, Methoden, Zielsetzungen, Zahlen, den Menschen nicht vergisst. Deshalb ist es auch immer wichtig, denen zu begegnen. Wenn man sieht, was Menschen durchgemacht haben, wovor sie Angst haben, aber auch, was sie für Potentiale haben, dann gibt das Energie, sich weiter für sie einzusetzen.

Frank-Jürgen Weise

Frank-Jürgen Weise: Beauftragter des Bundesinnenministeriums für Flüchtlingsmanagement

Das Zweite ist auch eine Frage der Kommunikation. Ich glaube, dass man das allein beim Begriff Flüchtlingsmanagement ein bisschen spürt. Auf der Bundesebene das Zusammenwirken aller zu organisieren, ist schlichtweg Management. Die Integration, also dass unsere Gesellschaft bereit ist, Menschen aufzunehmen, die Menschen sich dann aber auch an unsere Regeln halten, die findet in der kleinen Lebensgemeinschaft der Kommune statt. Deshalb sind die Kommunen in diesem Feld wirklich die Entscheidenden.

WDR 5: Ist Deutschland in Zukunft vorbereitet oder wird uns das immer kalt erwischen und Improvisation erfordern?

Weise: Meine Einschätzung, da höre ich ja selbst den verantwortlichen Politikerinnen und Politikern zu, ist: Deutschland alleine kann das nicht bewältigen. Unsere Regierung, die Bundeskanzlerin, hat sich ja redlich bemüht in jeder Hinsicht aufreibend, eine europäische Lösung mindestens zu diskutieren. Die Unterschiede in Europa zu diesem Thema, wieviel kann man aufnehmen, soll man aufnehmen, sind noch groß. Aber es gibt keinen anderen Weg.

Europa, mit einer Bevölkerung von nahezu 500 Millionen Menschen, muss an der Stelle aus verschiedensten Gründen sagen, wir organisieren, dass wir soundsoviele Menschen aufnehmen können aus Not, was ganz wichtig ist und was ja funktioniert, auch um Arbeitsplätze zu besetzen. Und das Ganze in einem Maß, wie es für die Bevölkerung erträglich ist. Deutschland hat enorme Vorleistung gebracht, hat damit sozusagen die Autorität, andere einzuladen. Das ist ja das Schöne an unserer Kanzlerin, dass sie damit jetzt nach europäischen Lösungen sucht. Man kann nur wirklich hoffen, dass die anderen Länder mitziehen.

Das Interview führte Max von Malotki im WDR 5 Morgenecho vom 17.05.2017. Für eine bessere Rezeption weicht die schriftliche Fassung des Interviews an einigen Stellen vom gesendeten Interview ab und ist teilweise gekürzt. Die intendierte Ausrichtung der Fragen und Antworten bleibt dabei unberührt.

Stand: 17.05.2017, 09:07