"Was wäre, wenn ich tot wäre?"

Junges Mädchen wird von Klassenkameraden ausgeschlossen

Service Psychologie - Selbstmordgedanken

"Was wäre, wenn ich tot wäre?"

Von Ruth Schulz

Liebeskummer, Mobbing, sich nicht schön finden, Schulprobleme – auch Kinder und Jugendliche haben Sorgen. Und manche haben auch Probleme, die sie aus der Bahn werfen. Gewalt im Elternhaus, sexuelle Übergriffe oder Erkrankungen, wie eine Depression.

Während der Pubertät denken viele Jugendliche gelegentlich darüber nach, wie es wäre, wenn sie tot wären. Wer würde weinen? Wer würde sie vermissen? Wer hätte Schuldgefühle? Das muss kein Alarmsignal sein. Wenn solche Gedanken aber bei Kindern und Jugendlichen auftauchen, die ohnehin schwerwiegende Probleme haben, sind sie suizidgefährdet. Im letzten Jahr haben sich in Deutschland 217 Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 20 Jahren selbst getötet.

Auf Alarmsignale achten

Es ist auch für Psychologen nicht leicht zu sagen, wie sich ein selbstmordgefährdetes Kind verhält. Manche sind sehr aggressiv, andere ziehen sich zurück; gerade viele Jungen reden oft nicht gerne über ihre Sorgen. Wer eine starke Veränderung des Verhaltens und der Persönlichkeit feststellt, der sollte das offen ansprechen, raten Psychologen. Wer sein Kind, seinen Freund oder seinen Schüler fragt, ob er traurig ist, ob er Probleme hat und sagt, dass er sich Sorgen macht, der kann damit nichts falsch machen. Wenn der Verdacht da ist, kann auch nichts Schlimmes passieren, wenn ein Jugendlicher direkt gefragt wird, ob er sich das Leben nehmen will. Man weckt damit keine „schlafenden Hunde“.

„Du hast doch noch alles vor Dir“ nutzt in einer Krise nichts

Sätze, die Mut machen sollen, wie: „Du hast doch noch Dein ganzes Leben vor Dir“, oder „Das wird schon wieder“, zeigen einem verzweifelten jungen Menschen nur, dass seine Probleme nicht ernst genommen werden. Wer mit den Problemen eines Jugendlichen überfordert ist, oder durch dessen Verhalten geängstigt ist, sollte sich unbedingt Unterstützung holen. In Erziehungsberatungsstellen, bei den psychosozialen Diensten der Gesundheitsämter oder bei einem Psychiater oder Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche können sich auch Eltern darüber beraten lassen, wie ernst die Krise des Kindes ist und wie sie damit umgehen sollen.

In ernsthaften Krisen muss gehandelt werden

Wenn Kinder oder Jugendliche äußern, dass sie nicht mehr Leben wollen, brauchen sie professionelle Hilfe. Eltern oder Freunde können Jugendliche mit Selbstmordabsichten nicht bewachen und ausreichend schützen. Dann sollten sie sich Hilfe in einer psychiatrischen Klinik holen. Hier können auch psychische Krisen und psychiatrische Erkrankungen, die möglicherweise hinter den Selbstmordabsichten stecken, behandelt werden.

Verführen Selbstmordforen im Internet zum Suizid?

Die Beratungsstelle „neuhland“ in Berlin berät seit vielen Jahren selbstmordgefährdete Kinder und Jugendliche. Die Psychologen hier gehen davon aus, dass in Internetforen, in denen über Selbstmord gesprochen wird, niemand zum Selbstmord überredet werden kann. Wer stark gefährdet ist, kann hier allerdings den letzten Anstoß bekommen, seine Phantasien in die Tat umzusetzen. Aber in den meisten Foren, so die Psychologen, hört man sich gegenseitig zu. Hier können Jugendliche offen über Selbstmordgedanken sprechen und finden dadurch oft Entlastung.

Aufklärung ist der beste Schutz

Der beste Schutz für Kinder und Jugendliche ist, wenn sie wissen, dass man auch in ihrem Alter überfordert und belastet sein kann. Und wenn sie wissen, wo sie sich Hilfe holen können. Gesprächsangebote haben noch niemandem geschadet. Auch wenn Jugendliche sich dann abweisend verhalten, ist es wichtig, dass Erwachsene ihnen Unterstützung anbieten und offen aussprechen, dass sie sich Sorgen machen.  

Literatur, Adressen, Links

„neuhland“
…ist eine Organisation, die verschiedene Hilfsangebote für Kinder und Jugendliche anbietet. Dazu gehört auch die Beratung bei Suizidgefährdung. Ihr Sitz ist zwar in Berlin, aber eine telefonische Beratung oder eine Verabredung mit einer Psychologin im Chat ist von ganz Deutschland aus möglich. Auf den Seiten von „neuhland“ sind auch viele Informationen zum Thema zusammen gestellt.
Tel: 030 / 873 01 11 (Mo-Fr 9-18 Uhr)
E-Mail: post@neuhland.de

Youth Life Line – Online Jugendberatung
Eine Beratung im Internet von Jugendlichen für Jugendliche, die auch durch das Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend unterstützt und wissenschaftlich begleitet wird. Manchmal ist es für Jugendliche vielleicht einfacher, sich einem Gleichaltrigen anzuvertrauen.

Arbeitskreis Leben
Der Arbeitskreis Leben bietet „Hilfe in Lebenskrisen und bei Selbsttötungsgefahr“. Hier sind umfangreiche Informationen und Broschüren erhältlich. Beispielsweise die Broschüre über Suizidalität bei Jugendlichen „Zwischen Selbstzerstörung und Lebensfreude“. Als Download oder zu bestellen:

Hilfe in Lebenskrisen und bei Selbsttötungsgefahr
Arbeitskreis Leben Stuttgart e.V. (AKL)

Römerstr. 32, D-70180 Stuttgart
Tel. 0711 – 600 620
E-Mail: akl-stuttgart(at)ak-leben.de

Redaktion:
Ingeborg Sahm

Stand: 29.03.2012, 16:05