Religion sucht Zukunft: Die Parsi in Indien

Religion sucht Zukunft: Die Parsi in Indien

Von Rainer Hörig

Vermutlich im achten Jahrhundert flohen tausende Anhänger des altiranischen Priesters Zarathustra aus Persien übers Meer an die Westküste Indiens. Manche flohen vor Verfolgung durch islamische Eroberer, andere aus geschäftlichen Interessen.

Zwei weibliche Mitglieder einer indische Parsi-Familie begrüßen einander.

Ihre Nachkommen bilden heute im westlichen Indien und seiner Metropole Mumbai (Bombay) eine kleine, aber äußerst wohlhabende und einflussreiche Minderheit. Der Großindustrielle Ratan Tata, der Stardirigent Zubin Mehta und der verstorbene Rocksänger Freddy Mercury zählen zu den Zoroastriern, in Indien ihrer Herkunft wegen "Parsi" genannt. Sie verehren den Gott Ahura Mazda in Form eines ewigen Feuers in schmucklosen Tempeln. Ihre Toten legen sie auf sogenannten "Türmen des Schweigens" ab, wo sie von Geiern verzehrt werden.
Doch nicht nur die Geier sterben in Indien aus, auch die nur 60.000 Menschen zählende Parsi-Gemeinde schrumpft in rasantem Tempo. Denn im Gegensatz zu ihren männlichen Verwandten werden Parsi-Frauen, die Andersgläubige heiraten, aus der Gemeinschaft verstoßen. Viele modern erzogene und gebildete Parsi-Frauen wehren sich jetzt gegen das patriarchalische Diktat der Priester. Sie fragen: "Soll die Gemeinschaft der reinen Lehre wegen ihre Existenz aufs Spiel setzen?"

Redaktion Christina-Maria Purkert

Das Lebenszeichen läuft immer sonn- und feiertags um 08.30 Uhr
auf WDR 3 und um 13.30 Uhr auf WDR 5.

Stand: 20.01.2017, 15:48