Kehrtwende - Donald Trump und die NATO

Donald Trump

Kehrtwende - Donald Trump und die NATO

US-Präsident Trump hat seine Bewertung der NATO revidiert und bezeichnet das Bündnis als "Bollwerk des Friedens". Die Beziehungen zu Russland sieht er dagegen auf einem "Allzeit-Tief". Doch es gibt keine Garantie, dass das so bleibt, meint Kai Küstner in seinem Kommentar.

Menschen, die leicht zu Schwindelanfällen neigen, sollten besser nicht allzu genau die täglichen Einlassungen des US-Präsidenten verfolgen. Egal, ob er die mündlich oder per Tweet in die Welt setzt. In atemberaubendem Tempo legt Donald Trump 180-Grad-Wenden hin zu außenpolitisch ja durchaus brisanten Themen: Vor Kurzem noch wollte der Geschäftsmann Trump uns glauben machen, ein Deal mit Russlands Präsident Wladimir Putin sei möglich. Nach dem Motto, man müsse sich nur mal unter Männern vernünftig unterhalten. Jetzt befinden sich die Beziehungen nahe dem Gefrierpunkt.

Dass Syriens Machthaber Assad seine eigene Bevölkerung massakriert, verdiente nach Ansicht der Trump-Truppe bis vor Kurzem noch weniger Beachtung als der Anti-Terror-Kampf. Kurz darauf wurde der neue Mann im Weißen Haus zum ersten US-Präsidenten, der militärisch gegen eben diesen Assad einschritt.

Was ist denn Revolutionäres passiert?

Und nun also die NATO: Noch im Januar fand Trump sie "überholt", doch heute schon nicht mehr. Man fragt sich, was in den wenigen Wochen denn Revolutionäres beim Militär-Bündnis passiert sein soll, dass die USA sie nun auf einmal wieder mögen. Trump begründet das mit der Rolle der NATO im Anti-Terror-Kampf. Richtig daran ist nur so viel, dass die Allianz vielleicht ein bisschen intensiver irakische Offiziere ausbildet als bisher. Eine militärische Rolle im Kampf gegen den "Islamischen Staat" hat sie nicht. Und es sieht auch nicht so aus, als würde sie die bekommen, obwohl die USA ihr sicher in Zukunft mehr abverlangen werden als bisher.

Trump ist eben Trump

Dass die NATO sich aber seit Januar generalüberholt oder stark modernisiert hätte, lässt sich eher nicht behaupten. Und so ist das Lob für die Militär-Allianz denn auch am besten damit zu erklären, dass Trump eben Trump ist - der am Montag das eine und am Dienstag das Gegenteil behauptet. Immer klarer wird, dass die einfachen Parolen der Populisten - selbst wenn einer von ihnen es ins Weiße Haus geschafft haben - den Aufprall nur selten überstehen, wenn sie erst der Realität begegnen.

Washington weiß nicht, was Trump will

Syrien, Russland, Nordkorea - das alles ist hochkompliziert. Kann sein, dass Trump das langsam einsieht. Das alles kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dessen Regierung derzeit vor allem einen Eindruck hinterlässt: Heillos überfordert zu sein. In Europa nimmt man durchaus wahr, dass in Washingtons Außenministerium das Personal fehlt, um vernünftige Diplomatie zu betreiben. Außerdem scheint man dort nicht immer genau zu wissen, was denn nun eigentlich Trump will. Vermutlich weiß der das aber selber oft nicht. Es wird dringend Zeit, dass sich die Atommacht für die Krisenherde dieser Welt eine Strategie zulegt.

Die NATO sollte vorsichtig bleiben

Bei der NATO aber sollte man sich trotz der Freude über die jüngsten warmen Worte aus dem Weißen Haus noch nicht allzu sicher fühlen. Planbar ist für die Europäer eigentlich nur eins: Dass sie - wie schon von Obama gefordert - ihre Verteidigungs-Ausgaben werden in die Höhe schrauben müssen. Ansonsten aber gibt es ja gar keine Garantie dafür, dass Trump nicht doch aus einer Laune heraus am Grundgerüst der Bündnis-Architektur rüttelt. Und sollte der eine oder andere Partner-Staat es wagen, eines Tages Donald Trump zu verärgern, fallen ihm auch sicher noch andere Begriffe ein als 'obsolet'.

WDR 5 Echo des Tages Ganze Sendung (13.04.2017)

WDR 5 Echo des Tages | 13.04.2017 | 29:54 Min.

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Stand: 13.04.2017, 15:35