E.on und RWE geht die Kohle aus

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E.on und RWE geht die Kohle aus

16 Milliarden Euro Minus hat E.on in seiner Bilanz verzeichnen. Und auch die anderen Energieriesen haben bis auf eine Ausnahme im letzten Jahr rote Zahlen geschrieben. Jürgen Döschner kommentiert.

Das war jetzt wirklich das letzte Mal, ab jetzt wird alles besser - und dann, spätestens nach drei Monaten, wieder ein neuer Absturz. Die Reaktion der Konzernspitzen auf den quartalsweisen Niedergang von RWE und E.on erinnert stark an das Verhalten eines Alkoholabhängigen: vom notorischen Versuch, die Schuld am eigenen Absturz bei anderen zu suchen, bis hin zur beschönigenden Rhetorik, ab morgen werde alles besser.

Immer neue Hiobsbotschaften

Aber nichts wird besser. Die Quartals- und Jahresbilanzen der einst vor Kraft strotzenden Energieriesen E.on und RWE sind eine Serie von Hiobsbotschaften. Verluste statt Gewinne, gewaltige Schuldenberge und Investoren, die aus der Aktie fliehen - in den vergangenen zehn Jahren fielen die Kurse um 80 Prozent.

Doch Schuld an der Misere sind stets die anderen. Mal der angeblich bevorzugte Solar- und Windstrom, mal der Atomausstieg - oder, wie dieses Mal, gleich beides zusammen.

Über Jahre Kontakt zur Realität verloren

Kern des Problems von RWE und E.on ist - wie beim Alkoholiker - die fatale Mischung aus Abhängigkeit und Realitätsverlust. Über Jahrzehnte haben sich die beiden größten deutschen Energiekonzerne bei der Stromerzeugung auf Kohle, Gas und Atom konzentriert. Spätestens ab dem Jahr 2001 hätten sie aber wissen müssen, dass sich die Welt der Stromerzeugung gewaltig verändern wird. Der erste Atomausstieg, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, die Kyoto-Beschlüsse zum Klimaschutz.

Das alles beeindruckte die Konzernlenker jedoch nicht. Sie sabotierten und attackierten die nahende Energiewende so lange sie konnten. Brachten den Atomausstieg sogar kurzfristig zu Fall, verhinderten bis heute einen geregelten Kohleausstieg.

Zu spät, um aus Energiewende Profit zu schlagen

Aber mit diesem Festhalten an den Drogen Atom und Kohle haben sich weder die Entscheider in den Chefetagen von RWE und E.on noch deren vermeintlichen Freunde in der Politik einen Gefallen getan. Nun kommt Quartal für Quartal die Quittung. Der Strompreis rauscht angesichts gigantischer Kohlestrom-Überkapazitäten in den Keller, die absehbaren Folgekosten des Atomkraft-Abenteuers schlagen heute heftig zu Buche, weil in den fetten Jahren keine Rücklagen gebildet wurden. Und der Zug der Energiewende ist inzwischen so in Fahrt, dass es für RWE und E.on selbst ohne Kohle- und Atomklötze am Bein kaum noch möglich wäre, aufzuspringen.

Selbst das letzte profitable Geschäft, das mit den Stromnetzen, ist angesichts des wachsenden Trends zur dezentralen Stromerzeugung und Eigenversorgung keine sichere Bank mehr.

Niedergang muss nun gestaltet werden

Die Tage von RWE und E.on sind gezählt. Nun kommt es darauf an, den Niedergang für die Beschäftigten und die Stromversorgung so verträglich wie möglich zu gestalten. Und dazu gehört an erster Stelle ein zügiger und geregelter Kohle-Entzug.

WDR 5 Echo des Tages Ganze Sendung (15.03.2017)

WDR 5 Echo des Tages | 15.03.2017 | 30:02 Min.

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Stand: 15.03.2017, 13:22