Staatsfrau gegen Horror-Clown

Trump und Clinton

Staatsfrau gegen Horror-Clown

Der Wahlkampf um die amerikanische Präsidentschaft wurde mit einer Härte geführt wie nie zuvor. Beobachter befürchten, dass unabhängig vom Ausgang ein Riss durch die Gesellschaft geht. Ein Kommentar von US-Korrespondentin Anna Engelke.

Genau heute vor einer Woche hatte ich die Gelegenheit, Donald Trump zu sehen. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in einem 65.000-Leute-Ort im ländlichen Wisconsin. Ich wollte den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner und seine Unterstützer gerne mal persönlich erleben. Viele junge Leute waren dort, aber auch mittelalte, ältere, Frauen genauso wie Männer. Zwei Dinge hatten sie gemeinsam: Sie waren alle weiß und sie waren alle wütend. Donald Trump hatte sich für seine Verhältnisse im Griff. Seine Berater hatten ihn beschworen, nicht zu sehr von seinem Redemanuskript abzuweichen. Sie wollten nicht risikieren, dass Trump mit einer weiteren ekelhaften Bemerkung auf den letzten Metern mögliche Wähler verschreckt.

Aber auch, wenn bei ihm nicht wieder der Sicherungskasten durchgeschmort ist: Das war Donald Trump. Der Horrorclown dieses amerikanischen Wahlkampfs. Der seine Konkurrentin nicht mit Argumenten besiegen konnte. Sie aber nach der Wahl ins Gefängnis stecken möchte. Der aus allen Handelsverträgen aussteigen und die Mexikaner mit einer Mauer düpieren will. Illegale Einwanderer sollen deportiert werden. Für Verbündete wie die Deutschen oder die Südkoreaner will er eine Art Schutzgebühr erheben.

Mein großer Wunsch: Donald Trump soll einsehen müssen, dass auch ein Donald Trump verlieren kann. Darf dieser Mann die politische Weltbühne betreten, dann ist es keine Clownerie-Nummer mehr. Dann agiert ein Choleriker, der sich überhaupt nicht im Griff hat. Mit dem Oberbefehl über die mächtigste Streitmacht der Welt in seiner Hand.

Meine große Hoffnung: dass Hillary Clinton die nötige Zahl von 270 Wahlleuten zusammenbekommt. Und gerne mehr. Für mich ist die Wahl zwischen Clinton und Trump keine zwischen Pest und Cholera. Ich habe Hillary Clinton 2008 im Wahlkampf gegen Barack Obama erlebt und später als seine Außenministerin. Ich bin überzeugt: Hillary Clinton ist deutlich besser als ihr schlechter Ruf und nicht nur das kleinere Übel. Sie ist erfahren, kennt Gott und die Welt. Sie hat - zuerst als US-Senatorin und später als US-Außenministerin - vergleichsweise gut mit den Republikanern zusammengearbeitet.

Noch mehr Respekt für Hillary Clinton habe ich seit den drei Fernseh-Debatten mit ihrem vor Testostoron nur so strotzenden Gegner Donald Trump. Dreimal neunzig Minuten mit einer losen Kanonenkugel wie Trump zu diskutieren, schlimmste Unterstellungen und Schmähungen wie "nasty Woman", "fiese Frau", so gefasst zu kontern. Respekt.

Dass Hillary Clinton kein Engel ist - nach 40 Jahren in der Politik - kein Wunder. Klar, mit Blick auf die Stiftung ihres Mannes Bills hätte sie keine Vorlage für den Verdacht liefern sollen, Spenden für die Clinton-Stiftung hätten den Zugang zu ihr als Außenministerin erleichtert. Aber diese Vorwürfe sind Peanuts im Vergleich zu all dem, was wir von Donald Trump in den vergangenen Monaten gehört haben. Donald Trump ist ein Rassist; ein Mann, der sich mit sexuellen Übergriffen brüstet; der die Eltern eines gefallenen Soldaten verhöhnt; der alle fünf Minuten lügt und sich schon bei seinem eigenen Twitter-Account nicht unter Kontrolle hat. Diesen Mann möchte ich nicht ins Weiße Haus einziehen sehen. Deswegen: I am with her. Ich bin nicht nur gegen ihn. Ich bin für sie, für Hillary.

WDR 5 Echo des Tages Ganze Sendung (08.11.2016)

WDR 5 Echo des Tages | 08.11.2016 | 29:51 Min.

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Stand: 08.11.2016, 18:13