Doppelrolle droht Altmeier zu überfordern

Doppelrolle droht Altmeier zu überfordern

Kanzleramtschef Peter Altmaier soll den Wahlkampf für die CDU koordinieren und das Wahlprogramm schreiben. Die Gesamtverantwortung für den Wahlkampf trägt jedoch weiter CDU-Generalsekretär Peter Tauber. Ein Kommentar von Christroph Prössl.

Migranten in Deutschland besser integriert als gedacht

Es gibt einen Klassiker der Management-Literatur: "Das Peter-Prinzip". Das Buch hat Laurence J. Peter verfasst. Es beschreibt eine Beobachtung, die der kanadisch-US-amerikanische Lehrer und Professor gemacht hat: In einer Hierarchie neige jeder Beschäftigte dazu, so lange aufzusteigen, bis er überfordert ist. Die Konsequenz: Viele oder die meisten Positionen sind mit Personen besetzt, die nicht in der Lage sind, ihre Aufgabe zu erfüllen. So weit die These des Buches.

Nicht nur die Tatsache, dass Peter Altmaier und Peter Tauber auch noch beide den Vornamen tragen, der im Titel des genannten Buches auftaucht: Die Berliner Rochade macht sichtbar, dass Kanzlerin Angela Merkel mindestens ihre Zweifel hatte, dass Peter Tauber alleine den Wahlkampf für die CDU stemmen kann.

Das derangiert ausgerechnet den Mann, der für den Aufbruch innerhalb der CDU stehen sollte. Der Parteivorstand hatte sich eine jüngere CDU gewünscht, eine weiblichere Partei, die sich auch für Staatsbürger öffnet, die ausländische Wurzeln haben - eine großstädtische Partei eben. Tauber sollte liefern. So richtig geklappt hat das nicht. Es waren eher die äußeren Umstände, die Merkel heute für Anhänger der SPD und der Grünen wählbar erscheinen lassen: die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin.

Mittlerweile stellt sich die Situation für die CDU etwas anders dar: Die Konservativen in der Partei fühlen sich zu wenig beachtet. Im Wahlkampf - unter Druck durch die AfD - könnte die konservative Klientel wichtig werden. Weniger Twitter, mehr Programm. Ob Altmaier aber ausgerechnet dafür der richtige Mann ist, bezweifle ich.

Der ehemalige parlamentarische Geschäftsführer der CDU kennt die Partei gut, als Chef des Kanzleramtes gehen alle wichtigen Vorgänge über seinen Schreibtisch. Aber Altmaier ist keiner, der zuspitzt und polarisiert, keiner, der laut auf die Pauke haut. Und außerdem hat er schon einen sehr fordernden Job.

Wenn die FDP jetzt den Rückzug Altmaiers vom Posten des Kanzleramatschefs fordert, dann ist das völlig überzogen. Wahlkampf und Kanzleramtschef, diese beiden Tätigkeiten schließen sich rechtlich nicht aus. Die Verfassung ist nicht verletzt, wie beispielsweise eine Einschätzung des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages belegt.

Trotzdem ist es natürlich annähernd größenwahnsinnig, anzunehmen, beide Aufgaben ließen sich in einem 24-Stunden-Tag halbwegs zufriedenstellend erledigen. Altmaier ist ja auch der Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung - auch das noch - und in dieser Aufgabe hat er sich durchaus verzettelt.

Kann denn niemand anderes das Wahlprogramm schreiben? Offenbar nicht. Merkel bürdet ihrem wichtigsten Mann noch eine schwere Aufgabe auf. Es besteht die Gefahr, dass Altmaier ein plastisches Beispiel für die Neuauflage des Management-Literatur-Klassikers "Das Peter-Prinzip" werden könnte.

WDR 5 Echo des Tages Ganze Sendung (11.04.2017)

WDR 5 Echo des Tages | 11.04.2017 | 29:35 Min.

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Stand: 11.04.2017, 19:28